Keyvisual: Zeitungen mit Tablet-PC und Kamera - Foto: (c) e-mobil BW / KD Busch

Das baden-württembergische Schaufenster Elektromobilität zieht positive Halbzeitbilanz

Diesel-Hybrid-Gelenkbus der Stuttgarter Straßenbahnen AG - Foto: (c) SSB

"Unsere Projekte haben in vielfältigen Anwendungssituationen geforscht und den Beweis erbracht, dass Elektromobilität in der Praxis technisch funktioniert“, resümiert Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie e-mobil BW GmbH und Koordinator des LivingLab BWe mobil bei der Partnerversammlung der Schaufenster-Projekte in Schwäbisch Gmünd. Ob im Carsharing, im ÖPNV, in Unternehmensflotten oder bei Spezialanwendungen wie Flugzeug-Pushern oder Transportern im Lieferverkehr wurde die neue Technologie erfolgreich dem harten Alltagstest unterzogen.

"Wir haben zudem eine gut ausgelastete Ladeinfrastruktur im öffentlichen und halb-öffentlichen Bereich aufgebaut, die allen Nutzern von Elektromobilität zur Verfügung steht“, zählt Loogen einen weiteren Erfolgsfaktor des baden-württembergischen Schaufensters Elektromobilität LivingLab BWe mobil auf. Allein in Stuttgart und Region wurden im Rahmen eines landesgeförderten Projektes von der EnBW 500 öffentliche Ladepunkte aufgebaut. Die rein elektrisch betriebene Flotte von car2go Stuttgart mit derzeit schon über 30.000 Nutzern trägt dabei zu einer großen Auslastung bei und ermöglicht eine aussagekräftige Forschung. Das baden-württembergische Schaufenster werde damit seinem Motto gerecht und ist im wahrsten Sinne des Wortes ein lebendiges Labor für die Mobilität von Morgen. Lebendige Forschung bedeute aber auch, Grenzen neuer Technologien auszutesten und Lösungsansätze zu verbessern. „Durch das intensive Netzwerk der Projektpartner im LivingLab BWe mobil gelinge es zudem, Lösungen schneller zu erarbeiten und Probleme zu beheben“, unterstreicht Loogen.

Neue Mobilitätskultur entwickelt sich

Der systemische Ansatz, der im baden-württembergischen Schaufenster konsequent verfolgt wurde, zahle sich aus und helfe dabei einen neue Mobilitätskultur zu fördern. Durch das Schaufenster Elektromobilität konnten gezielt neue Elektromobilitätsangebote im ÖPNV und Car-sharing von Zwei- und Vierrädern geschaffen und miteinander verknüpft werden. Damit eröffne sich für die Bürgerinnen und Bürger die Chance, verschiedene Verkehrsmittel flexibler, bedarfsgerecht und komfortabel miteinander zu verknüpfen und intermodal unterwegs zu sein.

Umfragen und Erhebungen belegen bereits, dass die neuen Möglichkeiten sehr gut angenommen werden. Rund 61 Prozent der Stuttgarter sind laut einer repräsentativen Umfrage der Landeshauptstadt bereit, zukünftig selbst ein Elektrofahrzeug zu nutzen. Ein Zwischenfazit laute daher klar: „Elektrofahrzeuge sind integraler Bestandteil des intermodalen Verkehrssystems und sinnvoller Baustein zukünftiger Stadt- und Verkehrsplanung“, so Loogen.

Auch im Bereich Bauen und Wohnen liefere das Schaufenster Elektromobilität positive Impulse. Vom innovativen Aktivhaus B10, das vergangene Woche eingeweiht wurde, über das Einfamilienhaus im Projekt Fellbach Zero Plus bis hin zur kompletten Wohnanlage im Rosensteinviertel arbeiten verschiedenste Projektpartner daran, zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten, die ressourceneffizientes Bauen, nachhaltige Energieversorgung und umweltfreundliche Mobilität gleichermaßen vereinen.

Elektromobilität ist sichtbar und erfahrbar

Die Sichtbarkeit von Elektromobilität hat durch die 37 geförderten Einzelprojekte des Forschungsverbundes LivingLab BWe mobil deutlich zugenommen. Aktuell werden mehr als 1.000 Fahrzeuge in den Forschungsprojekten eingesetzt und es werden jeden Tag mehr. Vor allem bei Unternehmensflotten gibt es ein hohes Elektrifizierungspotenzial, das im Rahmen des LivingLab BWe mobil beispielsweise im Projekt Get eReady identifiziert und genutzt werden kann. Auch die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes belegen, dass die Schaufenster-Regionen in Deutschland einen signifikanten Einfluss auf die Sichtbarkeit haben.

Ein sehr anschauliches Beispiel ist das Projekt HyLine-S, eine Hybridbuslinie der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) in Stuttgart: Die SSB unterhält mit 12 Diesel-Hybrid-Gelenkbussen eine der größten elektromobilen Busflotten in Deutschland und testet sie unter Realbedingungen 14 Stunden an sieben Tagen in der Woche. Im Bereich Lärmreduzierung wurden Werte erreicht, die die Erwartungen sogar übertroffen haben. Die Hybridbustechnologie macht es möglich, dass der Dieselmotor zu 80 Prozent ausgeschaltet werden kann, wenn der Bus steht - wie z.B. an der Ampel oder der Haltestelle. Auch während der Fahrt kann der E-Motor den Dieselmotor schon zu 40 Prozent ersetzen.

Die Vorteile der Elektromobilität werden auch am Stuttgarter Flughafen erfolgreich genutzt und sind für sehr viele Menschen erfahrbar. Zum Flieger geht es hier für viele Passagiere schon emissionsfrei. Auch viele Besuchergruppen nutzen den Elektrobus. Der vollelektrische Pusher, der ebenfalls zur eFleet gehört, beeindruckt Fluggäste damit, dass er die großen Flugzeuge mindestens genauso leistungsstark bewegt wie konventionelle Pusher mit Dieselmotor.

Grenzüberschreitend elektromobil

Zur Laufzeitmitte liefert auch das grenzüberschreitende Pendler-Projekt RheinMobil im Raum Karlsruhe schon überzeugende Ergebnisse. Mit knapp 120.000 gefahrenen Kilometern hat das Projekt RheinMobil nachgewiesen, dass für die Batterieleistung eine Kombination aus schnellem und herkömmlichem Laden ideal ist: Der gesteuerte Mix ermöglicht eine hohe Auslastung der Fahrzeuge und schont die Batterie. Neben diesem technologischen Erkenntnisgewinn wurde auch ökonomisch bewiesen, dass sich der Pendlerverkehr optimal für den Einsatz elektrischer Fahrzeuge eignet. Er erlaubt hohe Jahresfahrleistungen – auch bei wenigen festen Lademöglichkeiten, noch ohne flächendeckendes Infrastrukturnetz.

Bildung und Ausbildung konsequent mitdenken

Bei ihrem Treffen in Schwäbisch Gmünd konnten sich die Schaufenster-Partner vor Ort über die erfolgreichen Bildungsprojekte informieren. Insbesondere das Mobile Schulungszentrum Elektromobilität (MSE) der Technischen Akademie Schwäbisch Gmünd, das allein schon 2013 mit seinen Mitmach-Angeboten über 2.000 Schülerinnen und Schüler erreicht hat, konnte besichtigt werden. Den gesamten Sommer über ist das MSE auf der Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd im Einsatz und macht für Kinder und Jugendliche das Thema Elektromobilität z.B. mit eigenen Experimenten oder einem Quiz anschaulich erlebbar. „Es ist wichtig, dass wir das Thema Bildung und Ausbildung von Anfang an konsequent mitdenken. Mit dem Mobilen Schulungszentrum Elektromobilität, das nach der Landesgartenschau wieder auf Tour geht, schaffen wir es, bei den Kindern, schon früh Begeisterung für Technik und das Thema Elektromobilität zu wecken“, sagt Michael Nanz, Projektleiter der MSE und Geschäftsführer der Technischen Akademie Schwäbisch Gmünd.

Die Menschen mitnehmen – Bürgerbeteiligung 2.0

Mit dem eCube ist auf der Landesgartenschau ein weiteres Projekt des LivingLab BWe mobil vor Ort erlebbar. Der eCube gibt für Jung und Alt einen informativen und leicht verständlichen Einblick in die Elektromobilität. Von der Batteriezelle bis zum Elektromotor wird hier alles - teils mit Exponaten - anschaulich erklärt und auch der Spass-Faktor kommt am intermodalen Spieletisch nicht zu kurz.

Wer noch mehr über die Projekte erfahren will und sich am Thema Elektromobilität aktiv beteiligen möchte, findet dazu Gelegenheit beim Online Schaufenster Elektromobilität (www.livinglab-bwe.de), einem Forschungsprojekt des Fraunhofer IAO. Das interaktive Online-Portal will nicht nur die Bürgerinnen und Bürger umfassend über die Projekte und Zwischenergebnisse des LivingLab BWe informieren, sondern auch neue Wege entwickeln, die Bürgerinnen und Bürger am Technologiewandel mit Spaß zu beteiligen. Die seit Mitte Juni in den App-Stores verfügbare App mit dem Namen „elektromobil dabei“ spielt dabei eine zentrale Rolle und bietet unter anderem eine komfortable Ladestationensuche, die herstellerunabhängig ist und sogar über eine Statusangabe verfügt, ob die Ladestation derzeit frei oder belegt ist.

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