AFTER SALES STUDIE - page 13

Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass die Auto-
mobilhersteller mit zahlreichen Standards und anderen Vorgaben
in die After Sales Prozesse im Automobilhandel eingreifen und die-
sen zu steuern versuchen. Die Auswirkungen der Elektrifizierung
des Antriebsstranges auf den After Sales und das Teilegeschäft
sind daher auch für die Automobilhersteller von großer strategi-
scher Bedeutung.
2.6 BEDEUTUNG FÜR DAS KRAFTFAHRZEUGGEWERBE
Für die vertragsgebundenen Autohäuser stellt das Servicege-
schäft neben dem Neu- und Gebrauchtwagenverkauf das wich-
tigste Geschäftsfeld dar. Neben der Wettbewerbsdifferenzierung
und der Kundenbindung ist der After Sales auch unter dem Ge-
sichtspunkt der Profitabilität für die fabrikatsgebundenen Betrie-
be von herausragender Bedeutung. So stammten im Jahr 2013
30,5 % des Reparaturschnelldienste-Deckungsbeitrags aus dem
Werkstatt- und weitere 31,3 % aus dem Teile- und Zubehörge-
schäft. Insgesamt ist das Service- und Teilegeschäft also für fast
zwei Drittel des Gesamtergebnisses für den fabrikatsgebundenen
Automobilhandel verantwortlich (Abbildung 10).
Die Profitabilität, definiert als das Verhältnis zwischen Abteilungs-
umsatz und Abteilungsergebnis (Deckungsbeitrag III) liegt im
Werkstattgeschäft mit 22,7 % bzw. Teilegeschäft mit 16,3 % deut-
lich über denen im Neu- und Gebrauchtwagenhandel (Abbildung
11). Ohne die Profitabilität des After Sales wären die meisten Auto-
Abbildung 10: Ertragsstruktur im deutschen Automobilhandel
(Quelle: Autohaus Nr. 1-2/2014)
häuser in Deutschland daher nicht überlebensfähig.
Herausragend ist die Bedeutung des After Sales für die anderen
Marktakteure im Wartungs- und Reparaturmarkt. Für die freien
Werkstätten und die Systemkonzepte stellt der After Sales bzw.
der Teilevertrieb die mit Abstand wichtigste, häufig sogar die
einzige Geschäftsgrundlage dar. Veränderungen im After Sales
Volumen wirken sich auf die wirtschaftliche Lage dieser Betriebe
direkt und nachhaltig aus.
2.7 BEDEUTUNG FÜR DIE AUTOMOBILZULIEFERER
Für die Automobilzulieferer ist der Aftermarket ein wichtiger Um-
satz- und Ergebnisträger. Seine Bedeutung divergiert natürlich
im Hinblick auf das jeweilige Produktprogramm des Zulieferers:
Produziert er Komponenten, die einem Verschleiß unterliegen
und die im Endkundenmarkt gehandelt werden, so hat der After-
market einen starken Einfluss auf dessen Profitabilität. Während
im sogenannten Erstausrüstergeschäft, also der Belieferung der
Automobilhersteller für die Fahrzeugproduktion große Umsatzvo-
lumen realisiert werden, sind die Margen in diesem Bereich eher
gering. Das Aftermarketgeschäft bildet insofern für viele Zulieferer
ertragsseitig eine gewisse Ausgleichmöglichkeit.
Um eine Monopolisierung des Aftermarkets durch die Automobil-
hersteller zu verhindern hat die EU Kommission klare Regeln für
den Zugang zu diesem Markt für andere Marktakteure definiert.
So dürfen die Automobilhersteller aufgrund der Regelungen der
Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) Nr. 461/2010 die Aktivitäten
der Automobilzulieferer im Aftermarket nicht behindern. Um direkt
im Endkundengeschäft tätig zu sein, sichern sich einige Automo-
bilzulieferer über Werkstattsysteme den Zugang zu diesem noch
immer profitablen Markt.
Abbildung 11: Profitabilität einzelner Geschäftsbereiche im Autohaus
(Quelle: Autohaus Nr. 1–2/2014, S. 16)
Deckungsbeitrag III
vom Abteilungsumsatz
2013
2012
2011
2010
NW
3,1 % 2,8 % 3,1 % 2,5 %
GW
1,2 % 0,7 % 1,3 % 1,0 %
ET/Zubehör
16,3 % 15,5 % 15,5 % 15,6 %
Werkstatt
22,7 % 22,9 % 22,7 % 22,1 %
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