AFTER SALES STUDIE - page 8

Die Mobilität der Zukunft ist gekennzeichnet durch eine höhere
Vernetzung und eine größere Diversität der Fahrzeuge. Intermo-
dale Mobilitätskonzepte sowie moderne Elektrofahrzeuge wer-
den insbesondere in Städten und Ballungsgebieten das Straßen-
bild zukünftig prägen. Dies geht mit gravierenden Veränderungen
in der Gesellschaft und bei den entsprechenden Wirtschafts-
bereichen einher. So hat bspw. die Elektrifizierung des Antriebs-
stranges weitreichende Auswirkungen auf die Struktur und den
Umfang der automobilwirtschaftlichen Wertschöpfung. Fahrzeu-
ge mit elektrifizierten Antriebskonzepten führen zu Veränderun-
gen bei den Service-Prozessen, bei der technischen Ausstattung
der Werkstätten und bei der Mitarbeiterqualifizierung. Vor allem
bei batterieelektrischen Fahrzeugen ergeben sich deutlich nied-
rigere Wartungs- und Reparaturumfänge sowie ein ebenfalls
signifikant niedrigerer Teilebedarf. Insofern sind nicht nur die
Automobilhersteller, sondern die gesamte Wertschöpfungskette
betroffen. Upstream, also der Automobilproduktion vorgelagert,
geht es vor allem um die Automobilentwicklung und die Automo-
bilzulieferer. Downstream, also der Automobilproduktion nach-
gelagert, ist neben der Vermarktung und Nutzung des Automobils
insbesondere der After Sales tangiert. Er umfasst die Wartung
und Reparatur von Kraftfahrzeugen. Darüber hinaus wird aber
auch der Aftermarket, also der Markt für Ersatzteile und Zube-
hör beeinflusst. Branchenseitig betreffen diese Veränderungen
vor allem das Kraftfahrzeuggewerbe, aber auch die Automobil-
zulieferindustrie.
Während im Hinblick auf die Veränderungen in der Automobil-
produktion und Automobilentwicklung bereits eine Reihe von Un-
tersuchungen vorliegen, ist die Entwicklung des After Sales hin-
sichtlich zukünftiger Mobilitätslösungen noch wenig erforscht.
Die zugrunde liegende Studie befasst sich daher vorrangig mit
den Auswirkungen der Elektrifizierung auf den After Sales und
zwar insbesondere im Hinblick auf die zu erwartenden Beschäfti-
gungs-Effekte. Hierfür werden im Rahmen der folgenden Ausfüh-
rungen drei Referenzszenarien erarbeitet, welche alle Formen
der Elektrifizierung des Antriebsstranges sowie zu erwartende
Verläufe in der Marktdurchdringung als auch im Kraftfahrzeug-
gewerbe einschließen. Neben den quantitativen Auswirkungen
auf die Beschäftigung im Kraftfahrzeuggewerbe und in der Teile-
industrie, welche insbesondere auch vom Diffusionsverlauf der
elektrifizierten Antriebskonzepte abhängen, werden ebenfalls
AUSGANGSLAGE UND ZIELSETZUNG
qualitative Effekte berücksichtigt. Diese umfassen sowohl Verän-
derungen bezüglich der Aufgaben und Prozesse im After Sales,
der einzusetzenden Servicetechnologien als auch die veränder-
ten Qualifikationsanforderungen der Beschäftigten in der Ana-
lyse. Die Verifikation der Arbeitsprozesse für die Wartung und
Reparatur elektrifizierter Fahrzeuge erfolgte im Rahmen einer
labortechnischen Untersuchung am Center of Automotive Ser-
vice Technology (CAST) der Hochschule Esslingen an aktuellen
Fahrzeugmodellen. Darüber hinaus werden auch mögliche Be-
schäftigungswirkungen in der Automobilzulieferindustrie durch
Veränderungen hinsichtlich der Art und Anzahl der benötigten
Ersatzteile angesprochen.
Abschließend geht die Studie auf mögliche Anpassungsstrate-
gien im Kraftfahrzeuggewerbe im Hinblick auf die Veränderun-
gen im After Sales Geschäft ein. Der seit vielen Jahren nega-
tive Beschäftigungstrend im Kraftfahrzeuggewerbe wird sich
je nach Durchdringung alternativer Antriebe und der weiteren
gesellschaftlichen und marktseitigen Entwicklung verstärken.
Für die Marktteilnehmer ist die Erschließung neuer Geschäfts-
felder daher von Bedeutung. Gerade die Elektrifizierung bietet
dem Kraftfahrzeuggewerbe nicht nur im Verkauf, sondern gerade
auch im After Sales vielfältige Chancen. Neue Angebote könnten
z. B. im Bereich zusätzlicher Dienstleistungen in den Bereichen
Ladeinfrastruktur, Vernetzung, innovative Mobilitätskonzepte,
Softwareupdating sowie in einer ganzheitlichen Kunden- und
Fahrzeugbetreuung liegen.
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