WASSERSTOFF-STUDIE - page 8

Hintergrund und Zielsetzung der Studie
Baden-Württemberg unterstützt durch die Förderung erneuer-
barer Energien eine nachhaltige Reduzierung seiner Treibhaus-
gasemissionen. Neben dem aktuell im Fokus stehenden Strom-
sektor müssen emissionsfreie Lösungen auch in allen anderen
Energiesektoren inklusive des Verkehrssektors Einzug halten.
Die vorliegende Studie untersucht mit einem Schwerpunkt auf
möglichen Entwicklungen bis 2030, welche Beiträge der Ener-
gieträger Wasserstoff zur Lösung dieser Herausforderungen
liefern und wie er sinnvoll aus erneuerbarem Strom hergestellt
werden kann. Ziel ist es, die Konturen für eine künftige Nutzung
von Wasserstoff in Baden-Württemberg zu schärfen und poten-
zielle Einsatzbereiche, Infrastrukturen, monetäre sowie klima-
relevante Wirkungen darzustellen.
Wasserstoffnachfrage beginnt im Verkehrssektor
Als universeller Energieträger ist Wasserstoff grundsätzlich in
allen Energiesektoren einsetzbar. Eine erste Kommerzialisie-
rung wird aber zunächst im Verkehrssektor stattfinden. Sig-
nifikante Marktpotenziale, die dann auch die Erdgasindustrie,
die Stromerzeugung und die chemische Industrie einschließen,
werden voraussichtlich erst nach 2030 ausgeschöpft werden
können.
Eine Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung von Wasser-
stoff als Kraftstoff im Verkehrssektor ist die Unterstützung des
Aufbaus der Tankstelleninfrastruktur in Baden-Württemberg,
der durch die H
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Mobility-Initiative aus Industrie und Politik
auch bundesweit mit Nachdruck vorangetrieben wird. Die Ver-
sorgung von Pkw, Fahrzeugflotten, brennstoffzellenbetriebenen
Stadtbussen oder Schienenfahrzeugen ermöglicht dabei Wege
zu einer frühen Wirtschaftlichkeit. In Baden-Württemberg wird
derzeit der Einsatz mehrerer brennstoffzellenbetriebener Züge
im Rahmen eines bundesweiten Projekts vorbereitet, mehrere
brennstoffzellenbetriebene Stadtbusse sind bereits seit einigen
Jahren im Fahrgasteinsatz.
Ebenso muss ein vor allem preislich attraktives Angebot an
Brennstoffzellenfahrzeugen in ausreichenden Stückzahlen vor-
handen sein. Erste Kleinserien werden seit 2014/2015 von asia-
tischen Pkw-Herstellern angeboten (Toyota, Hyundai, Honda).
Auch deutsche Hersteller wie Daimler, BMW und Audi planen
ZUSAMMENFASSUNG
eine Markteinführung von Brennstoffzellenfahrzeugen in den
nächsten Jahren. Die Entwicklung des Bestands an Brenn-
stoffzellenfahrzeugen im Betrachtungszeitraum bis 2030 ist von
vielen Einflussgrößen abhängig, unter anderem von den Ange-
boten der Fahrzeughersteller, dem Preis und den Betriebskos-
ten, dem Ausbau des Tankstellennetzes, der Nutzerakzeptanz
und nicht zuletzt dem regulatorischen Rahmen. Diese Studie
arbeitet daher mit zwei Szenarien, einem „konservativen“, in
dem ein signifikanter Markthochlauf erst nach 2030 erfolgt, und
einem „ambitionierten“, in dem im Jahr 2030 bereits 140.000
Brennstoffzellen-Pkw auf den Straßen Baden-Württembergs
fahren, mit zusätzlich bis zu 900 brennstoffzellenbetriebenen
Stadtbussen und 50 Triebfahrzeugen für den Schienenperso-
nennahverkehr.
Langfristig kann auch die Industrie zu einem wichtigen Verbrau-
cher erneuerbaren Wasserstoffs werden und Wasserstoff, so-
wohl als regenerativen Energieträger bei der Bereitstellung von
Prozesswärme als auch zur Substitution fossiler Rohstoffe in
der Chemieindustrie nutzen. Hierbei bietet die Verwendung
erneuerbar hergestellten Wasserstoffs in Raffinerieprozessen
kurzfristig besonders interessante Potenziale. Allerdings haben
die Analysen dieser Studie nur wenige große Akteure in Baden-
Württemberg als Treiber für den Aufbau einer Wasserstoffwirt-
schaft in der Industrie identifiziert, die zudem, da weit verstreut,
nur lokal begrenzt zum Aufbau einer landesweiten Infrastruktur
beitragen werden. Umso mehr sollten diese in die Planungen
einbezogen und die Gaswirtschaft weiterhin bei der Kommerzi-
alisierung von Power-to-Gas-Projekten unterstützt werden.
Dies geschieht aktuell bereits durch das Ministerium für Finan-
zen und Wirtschaft, das die Erforschung und Entwicklung einer
industriefähigen Power-to-Gas-Anlage mit 4,5 Millionen
fördert.
Einsatz von Wasserstoff im Verkehr führt zu schnelleren
CO
2
-Einsparungen
Heute wird Wasserstoff vorrangig mittels Dampfreformierung
aus Erdgas erzeugt oder von der Chemieindustrie bereitgestellt,
wo er in einigen Prozessen als Nebenprodukt anfällt. Bereits
der Einsatz von aus Erdgas erzeugtem Wasserstoff würde in
Brennstoffzellen-Pkw aufgrund des effizienteren Antriebs-
strangs zu spezifischen CO
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-Einsparungen gegenüber heutigen
Benzin- und Dieselfahrzeugen führen. Um die mit der Wasser-
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