FAHRZEUGVERNETZUNG - page 100

Kapitel 5
Der Beginn der seriennahen Fertigung von
Komponenten
wie
Hardware und Software zur Realisierung des vernetzten und au-
tomatisierten Fahrens für den Massenmarkt steht noch aus.
In Baden-Württemberg beheimateten Zulieferern gelingt es heu-
te schon, überdurchschnittlich erfolgreich an der Marktentwick-
lung, z. B. im Bereich des teilautomatisierten Fahrens, zu partizi-
pieren. So verkündet das Unternehmen Bosch, dass der Umsatz
im Bereich der Fahrerassistenzsysteme gegenwärtig pro Jahr
um ein Drittel wächst.
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Hier bieten sich für den Standort Baden-Württemberg Chancen,
sich auch zukünftig als Produktionsstandort für spezifische Kom-
ponenten für Fahrzeugsysteme, die vernetztes oder hoch- und
vollautomatisiertes Fahren erlauben, zu etablieren.
Die Fähigkeit,
technologische Lösungen in ein Gesamtsystem zu
integrieren,
dokumentiert eine Reihe seitens baden-württemberg-
ischer Akteure entwickelter und vorgestellter Fahrzeugprototypen.
Allerdings sind Prototypen und Testfahrten von Akteuren, die an-
deren geographischen Räumen und teilweise anderen Branchen
entstammen, deutlich stärker in der öffentlichen Wahrnehmung
sichtbar (siehe hierzu auch die Darstellungen in den Abschnitten
3.2 und 3.3).
Dahingegen werden die in verschiedenen Bundesländern be-
stehenden Planungen zum Aufbau bzw. zur Verfügbarmachung
öffentlicher Teststrecken stark kommuniziert und mit Engage-
ment vorangetrieben. Während OEM auch über die finanziellen
und personellen Ressourcen für den Aufbau eigener Testgelände
verfügen, wird den Anforderungen von KMU an den geographi-
schen und funktionalen Umfang von öffentlichen Testgeländen
jedoch nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet.
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Dies stellt für sie
im Hinblick auf ihr Engagement gegenwärtig ein Risiko dar, da
sich der Übergang der technologischen Lösungen im Bereich
des vernetzten und automatisierten Fahrens vom Labor auf die
Straße aktuell vollzieht.
Neue
Anwendungen,
die auf Produkten des vernetzten bzw. auto-
matisierten Fahrens aufbauen, sind heute noch weniger greifbar.
Die Tatsache, dass OEM sich bereits heute als Anbieter von Mo-
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Vgl. Wirtschaftswoche.de (2015).
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Quelle: Interviewergebnisse.
bilitätsdienstleistungen erfolgreich etablieren (z. B. Daimler mit
moovel) zeigt, dass sie selbst begonnen haben, ihre Rollen neu
zu definieren.
Eine Durchdringung der Bestandsfahrzeugflotte mit vernetzt
bzw. automatisiert fahrenden Fahrzeugen erlaubt perspektivisch
auch, Verkehre neu zu organisieren (siehe hierzu auch Abschnitt
4.3). Hier bietet sich für baden-württembergische Unternehmen
und Forschungseinrichtungen die Chance, sich frühzeitig z. B. mit
neuen Konzepten der Verkehrssteuerung zu beschäftigen und
diese bspw. im Rahmen von Forschungsprojekten zu adressieren.
Schließlich ist festzuhalten, dass das Bundesland Baden-Würt-
temberg ein hohes eigenes Anwendungspotenzial aufweist: Ver-
netzte und automatisiert fahrende Fahrzeuge können bedeutende
Beiträge zur Steigerung der Verkehrssicherheit, zur Steigerung
der Leistungsfähigkeit bzw. zur besseren Ausnutzung des beste-
henden Straßenverkehrssystems sowie zur Senkung der Emis-
sionen des Straßenverkehrs in Baden-Württemberg beitragen.
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