FAHRZEUGVERNETZUNG - page 17

Beim automatisierten Fahren ist jedoch die Verwendung von
Gesten und Handzeichen zur Signalisierung kritisch zu hinter-
fragen. Befindet sich ein Mensch auf dem Fahrersitz, der nicht
selbst fährt, können Gesten, die nicht im Einklang mit dem unmit-
telbar nachfolgenden Fahrmanöver stehen, ein Risiko darstellen.
Diese Signalisierung sollte daher vom Fahrzeug übernommen
werden. Allerdings nutzen viele Prototypen automatisiert fah-
render Fahrzeuge bislang nur ein eingeschränktes Spektrum
an Möglichkeiten der Signalisierung an menschliche Verkehrs-
teilnehmer. In der Regel werden weder Hupe noch Lichthupe
genutzt, um im Bedarfsfall menschliche Verkehrsteilnehmer zu
warnen.
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Eine Ausnahme bildet die Studie zum F015 von Mercedes-Benz,
bei der die Signalisierung eine besondere Rolle spielt (siehe Ab-
bildung 4). Mit Hilfe von Lichtsignalen zeigt das Fahrzeug Fuß-
gängern am Straßenrand an, dass sie erkannt wurden und die
Straße queren können.
2.4 DIGITALE KARTEN UND LOKALISIERUNG
Um die Fahraufgabe zu bewältigen, muss ein automatisiertes
Fahrzeug präzise und aktuell seine Position im Straßennetz ken-
nen. Die Basis dazu sind hochgenaue digitale Karten.
Digitale Karten
Heute verfügbare digitale Karten bilden das Verkehrsnetz so ab,
dass eine Navigation ausreichend funktioniert, solange Men-
schen die endgültigen Entscheidungen treffen. Für automatisier-
te Fahrmanöver ist darüber hinaus spurgenaues Kartenmaterial
mit Bezug zu den relevanten Umgebungsmerkmalen (Kurvenver-
lauf, Einengungen, Sichtbeschränkungen usw.) eine wesentliche
Voraussetzung. Gleiches gilt für die Verfügbarkeit von Zusatz-
informationen, beispielsweise zur Infrastruktur, wie Positionen
und Status von Lichtsignalanlagen, Wechselweganzeigern und
Schildern. Bei höherer Umgebungskomplexität können auch
dreidimensionale, hochgenaue Umgebungsmodelle, z. B. mit
Fassaden, notwendig sein.
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Vgl. Smith, B. W. (2014).
5
Vgl. autogazette (2014b).
6
Vgl. zeit.de (2013).
7
Vgl. fahrrueckt.de (2013).
»Das autonome Fahren stellt ganz andere Anforderungen an
eine digitale Karte. Sie ist nicht mit dem vergleichbar, was
wir bislang kannten. […] Diese Karte muss genauer sein,
umfassender und muss sich noch stärker an der Echtzeit ori-
entieren als die Karten, die wir derzeit im Einsatz haben. Sie
braucht eine Verkehrszeichenerkennung, noch schnellere
Real-Traffic-Informationen und möglichst auch eine drei-
dimensionale Darstellung. Zugleich werden auf der Karte
auch Informationen über Steigungen oder Gefälle benötigt.
Die Karte der Zukunft, die man für das automatisierte Fah-
ren benötigt, muss sich im Zentimeterbereich bewegen. Die
Karte fürs autonome Fahren, die Karte 3.0, werden wir eben-
falls im Minutenrhythmus updaten müssen. Karten müssen
immer den landestypischen Gesetzmäßigkeiten angepasst
werden, entsprechend ist die Karte kulturell geprägt.«
Christof Hellmis,
Leiter digitale Kartenplattform-Dienste bei HERE
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Zumeist erfolgt die Datenerhebung
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für digitale Karten durch
Auswertung von Satellitenaufnahmen und Befahrung der Stre-
cken mit Spezialfahrzeugen, teilweise basiert sie auf Nutzeran-
gaben. In jüngerer Zeit nimmt die Auswertung von großen Da-
tenmengen, die automatisch aus mobilen Nutzergeräten
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erfasst
werden, einen breiteren Raum ein. Mit Hilfe dieses Verfahrens
lassen sich Informationen schneller und in einem höheren Detail-
lierungsgrad sammeln und mit Zusatzinformationen anreichern.
Der Veröffentlichung im Hintergrund geht allerdings ein aufwän-
diger, zeitintensiver Prozess zur Validierung und Bereitstellung
voraus.
Diese Nachbearbeitung ist ein Grund für die unzureichende Ak-
tualität der Karten. Für fest eingebaute Navigationssysteme gibt
es neue Karten meist nur im Jahresabstand. Hersteller von mobi-
len Navigationssystemen bieten etwas häufiger, z. B. einmal pro
Quartal, aktualisierte Karten an. In beiden Fällen muss der An-
wender der Navigation aktiv die Aktualisierung veranlassen. We-
niger Aufwand für den Nutzer fällt bei Karten aus Online-Diens-
ten an. Diese Karten liegen auf zentralen Servern und werden bei
Bedarf auf das Endgerät geladen. Somit stehen neue Informati-
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1...,7,8,9,10,11,12,13,14,15,16 18,19,20,21,22,23,24,25,26,27,...140
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