FAHRZEUGVERNETZUNG - page 23

Beschränkung auf diese Funktionalitäten ist zunächst auch bei
Markteinführung der Technologie in den Fahrzeugen zu erwar-
ten. Für die Einbeziehung der Kommunikationsinformationen in
sicherheitskritische, d. h. unmittelbar eingreifende Fahrfunktio-
nen sind noch umfangreiche Entwicklungsarbeiten notwendig.
Im Gegensatz zur WLAN-Technologie verwenden heute schon
Automobilhersteller den Mobilfunk in seiner derzeitigen 4. Gene-
ration, u. a. um ihren Kunden Mehrwertdienste anzubieten. Mo-
mentan wird an Nachfolgestandards (5. Generation) gearbeitet,
die noch höhere Datenraten und kürzere Latenzzeiten ermögli-
chen. In neue Standards sollen auch die für die Fahrzeugkommu-
nikation spezifischen Anforderungen einfließen.
Der Mobilfunk bildet ein wichtiges Element für zukünftige Auto-
matisierungssysteme im Hinblick auf die im Abschnitt 2.4 darge-
Infobox:
ITS G5
Der WLAN-Standard nach ITS G5 für C2C- bzw. C2I-Kommu-
nikation basiert auf dem aus der heutigen Computerwelt be-
kannten Protokoll des Standards IEEE 802.11a/b/g, allgemein
bekannt unter den Begriffen WLAN bzw. WiFi. Aufbauend
auf diese Standards wurde eine spezielle Version für die
Fahrzeugkommunikation entwickelt (IEEE 802.11p), die u. a.
wesentlich schnellere Ad-hoc-Verbindungen ermöglicht.
Zudem werden dafür andere, speziell lizenzierte Frequen-
zen (5-GHz-Band) verwendet. Dies wiederum gestattet die
Übertragung sicherheitsrelevanter Informationen, ohne
dass eine Beeinflussung durch den sonstigen Datenverkehr
erfolgt. Da der Standard für die freigegebenen Frequenzen
in den USA entworfen wurde und diese Frequenzen sich
von den europäischen etwas unterscheiden, erfolgte eine
entsprechende Anpassung für europäische Systeme im
ETSI-ITS-G5-Standard. So wurde im Jahr 2008 auf EU-Ebene
ein Frequenzband im Bereich 5,9 GHz (30 MHz Bandbreite,
5.875 MHz bis 5.905 MHz) festgelegt, das nur für Anwendun-
gen aus dem Bereich der Verkehrssicherheit und der Ver-
kehrseffizienz zur Verfügung steht.
stellte Erweiterung des Sichthorizontes durch die Verwendung
von hochgenauen dreidimensionalen Karten. Diese benötigen
immer wieder eine bidirektionale Verbindung zur Aktualisierung.
Eine Realisierung höherer Automatisierungsstufen in komplexen
Situationen ist somit ohne Mobilfunkkommunikation kaum vor-
stellbar.
Eine weitere Technologie zur Übertragung von Informationen in
das Fahrzeug ist die schon seit Jahren vorhandene Rundfunk-
technologie. Unter Rundfunk (engl.: Broadcasting) versteht man
alle Kommunikationstechnologien, die Daten versenden, ohne
einen Rückkanal zur Verfügung zu stellen. Ein wesentlicher
Vorteil von Broadcasting-Technologien besteht darin, dass be-
liebig viele Empfänger mit Daten bzw. Informationen versorgt
werden können, ohne dass sich die Belastung des Kommuni-
kationskanals erhöht. Das ist vor allem interessant, wenn viele
Fahrzeuge auf einer Strecke oder in einer Region mehr oder
weniger zeitgleich dieselben Daten (z. B. neue Umgebungs-
daten) benötigen. Bereits seit Mitte der 1990er Jahre hat sich
Broadcasting im Bereich der Verkehrsinformation etabliert. Die
Verteilung von Verkehrsinformationen erfolgt neben der münd-
lichen Ausstrahlung auch in Form von Datenpaketen über den
analogen terrestrischen Rundfunk (UKW, FM), indem diese als
„Traffic Message Channel (TMC)“ im programmbegleitenden
„Radio Data System (RDS)“ versendet und zum Beispiel von
Navigationsgeräten interpretiert werden. Nachteilig bei RDS/
TMC sind die recht geringe Datenkapazität, die teilweise recht
langen Aktualisierungszyklen sowie die starre und sehr be-
grenzte Möglichkeit, Orte und Ereignisse zu kodieren (Listen-
verfahren). Abhilfe schafft an dieser Stelle das digitale Radio,
das sogenannte „Digital Audio Broadcasting (DAB)“, das seit
Ende der 1990er Jahre bzw. als „DAB+“ seit 2011 in Betrieb ist.
Über programmbegleitende Datenkanäle können hier deutlich
häufiger und deutlich mehr verkehrsrelevante Daten übertra-
gen werden. In Verbindung mit neuen Datenprotokollen (TPEG)
kann die Übermittlung nahezu beliebig vieler Orte, Ereignisse
und anderer Daten erfolgen. Auch bei neueren Mobilfunkstan-
dards und ITS G5 lassen sich Broadcasting-Modi nutzen. Der
wesentliche Vorteil von terrestrischem Rundfunk gegenüber
Mobilfunk besteht wegen der höheren Reichweite in deutlich
geringeren Infrastrukturkosten.
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Friedl, G. et al. (2014).
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