FAHRZEUGVERNETZUNG - page 24

Kapitel 2
Neben den bisher genannten Kommunikationstechnologien sei
hier noch der Standard Bluetooth (IEEE 802.15.1) erwähnt. Typi-
scherweise werden damit Smartphones und andere mobile Ge-
räte der Mitfahrer drahtlos mit Informations- und Unterhaltungs-
systemen des Fahrzeugs verbunden. Die Vernetzungstechnologie
ist für Komfortfunktionen geeignet und für den Nahbereich unter
10 m Abstand ausgelegt. Im Mittelpunkt stehen kurze Latenzzei-
ten, geringer Energiebedarf und kleinere Datenmengen. Mit der
neueren Version „Bluetooth Low Energy“ lassen sich Sensoren
besonders energiesparend vernetzen, die z. B. als Ortsmarken
zur Unterstützung von Ortungsfunktionen dienen können (z. B.
iBeacon von Apple).
Grundsätzlich haben alle genannten Technologien spezifische
Eigenschaften, die anwendungsbezogen oder situativ in unter-
schiedlichem Maße vorteilhaft oder nachteilig sind. Für automa-
tisierte Fahrfunktionen sind die Rückkanalfähigkeit sowie kurze
Latenzzeiten wichtige Kriterien. Für die Verteilung gleichartiger
Daten bzw. Informationen für eine Region oder einen längeren
Streckenabschnitt sind große Reichweite und hohe Übertra-
gungskapazität besonders relevant.
Da bisher keine Technologie alle Anforderungen gleicherma-
ßen gut erfüllt und nicht alle Fahrzeugfunktionen die gleichen
Anforderungen (z. B. an Latenz und Rückkanalfähigkeit) stellen,
werden Fahrzeuge auch mittelfristig verschiedene Kommunika-
tionskanäle unterstützen und diese gezielt kombinieren müssen.
Derartige Ansätze tragen die Bezeichnung „hybride Kommunika-
tion“. Auch hierzu gibt es zahlreiche Forschungsaktivitäten. Zum
Beispiel wird in dem national geförderten Projekt CONVERGE
(siehe Abschnitt 3.1) solch ein hybrider Ansatz realisiert. Zukünf-
tig gilt es, den jeweils optimalen Kommunikationsweg zu finden
12
Vgl. Ericsson (2013).
Tabelle 3: Spezifische Eigenschaften ausgewählter Kommunikationstechnologien.
12
(Eigene Darstellung)
Technologie
Reichweiten
Übertragungskapazitäten
Rückkanalfähigkeit
Latenzzeiten
Bluetooth
1 bis 10 m
< 2,1 Mbit/s
Ja
30–90 ms
ITS G5
100 bis 1.000 m
< 27 Mbit/s
Ja
50–100 ms
LTE
(Mobilfunk)
1 bis 10 km
> 50 Mbit/s
Ja
25 ms
DAB+
(Digitalradio)
50 bis 100 km
< 80 kBit/s
(pro Ensemble)
Nein
> 2 min
und zu nutzen. Eine grundlegende Voraussetzung für die Anwen-
dung von Kommunikationstechnologien in Fahrzeugen ist die
globale Standardisierung.
Datensicherheit und Absicherung der Kommunikation
Automatisiert fahrende Fahrzeuge müssen hohe Anforderungen
an die Datensicherheit und den Datenschutz erfüllen. Sowohl für
die fahrzeuginterne als auch für die externe Kommunikation so-
wie für die Informationsübertragung dazwischen ist zu gewähr-
leisten, dass die anfallenden, vielfach sensiblen Daten nur be-
stimmungsgemäß genutzt werden. Es muss verhindert werden,
dass das Fahrzeug bzw. seine Funktionen durch unerwünschte
oder kriminelle Eingriffe von außen beeinträchtigt werden. Eine
Vielzahl potenzieller „Angriffspunkte“ lässt sich identifizieren,
wie Abbildung 9 zeigt.
Kernergebnis:
Die betrachteten Kommunikationstechnologien weisen un-
terschiedliche Merkmale auf, aber keine erfüllt alle Anfor-
derungen. Abhängig von der gewünschten Funktionalität
und Anwendung wird deshalb auf unterschiedliche Tech-
nologien zurückgegriffen oder es werden Kombinationen
genutzt (hybride Kommunikation).
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