FAHRZEUGVERNETZUNG - page 36

Kapitel 3
Die im vorangegangenen Kapitel beschriebenen technischen
Herausforderungen des vernetzten und automatisierten Fah-
rens finden ihren Niederschlag in den Forschungsaktivitäten
von Industrie und Wissenschaft. Abschnitt 3.1 nennt einige der
wichtigsten Forschungsprojekte und ihre thematischen Schwer-
punkte. Im Anschluss werden in den Abschnitten 3.2 und 3.3 ex-
emplarisch Testfahrten und Testgebiete sowie Forschungsfahr-
zeuge dargestellt.
3.1 AUSGEWÄHLTE FORSCHUNGSPROJEKTE
Erste Arbeiten zum automatisierten Fahren erfolgten auf nationa-
ler Ebene schon in Forschungsprojekten der 1980er Jahre, in de-
nen erste automatisierte Fahrzeugfunktionen und selbstfahrende
Fahrzeuge demonstriert wurden. Hier sind zum einen die Arbei-
ten der Universität der Bundeswehr mit den Fahrzeugen VaMoRs
und VaMP und zum anderen das EUREKA-Projekt PROMETHEUS
zu nennen. In dazu nachgelagerten Forschungsprojekten (u. a.
AKTIV) lag der Schwerpunkt auf der Erforschung und Entwick-
lung von assistierenden Systemen, die mittlerweile am Markt
verfügbar sind (z. B. der Abstandsregeltempomat).
Im Bereich der Fahrzeugvernetzung reichen die geförderten For-
schungsaktivitäten noch länger zurück. Erste umfangreichere
Bemühungen zeigten sich in den 1970er Jahren. Die Kommuni-
kation fand zunächst unidirektional statt, d. h. Informationen von
außerhalb des Fahrzeugs wurden im Fahrzeug empfangen. Die
Möglichkeit, Informationen auch aus dem Fahrzeug heraus zu
versenden, eröffnete sich erst mit dem Aufkommen neuer Über-
tragungstechnologien wie Mobilfunk und WLAN. Heute bieten
einige Automobilhersteller Mehrwertdienste über Mobilfunk an.
Den nächsten Evolutionsschritt stellt die Vernetzung im Kleinräu-
migen dar, d. h. die Vernetzung von Fahrzeugen untereinander
(C2C) bzw. von Fahrzeugen mit der Infrastruktur (C2I). Hier gab es
in der jüngeren Vergangenheit einige Forschungsprojekte, deren
Ergebnisse nun den Weg in die Serie finden.
Im Bereich des automatisierten und vernetzten Fahrens wurden
und werden eine Vielzahl von Forschungs- und Entwicklungspro-
jekten national sowie international durchgeführt. Große Bedeu-
tung haben dabei öffentlich geförderte Verbundprojekte, da im-
mer komplexer werdende Fragestellungen – z. B. im Bereich der
FORSCHUNG FÜR DIE ZUKUNFT
Standardisierung von Schnittstellen beim kooperativen Fahren –
nicht nur die Einbindung interdisziplinärer Know-how-Träger ver-
langen, sondern einen von möglichst vielen Forschungsnehmern
getragenen Ansatz.
Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl an Forschungsprojek-
ten, die sich mit den Thematiken auseinandergesetzt haben bzw.
gegenwärtig auseinandersetzen. In den anschließenden Ab-
schnitten werden die Schwerpunkte dieser Forschungsprojekte
skizziert, wobei die Darstellung aufgrund des Umfangs auf nati-
onale und europäische Projekte beschränkt wurde. Vollständig-
keitshalber sei darauf hingewiesen, dass auch in den USA und in
Japan umfassende Anstrengungen getätigt werden, um Antwor-
ten auf aktuelle Forschungsfragen wie z. B. zur Robustheit von
Kommunikationstechnologien geben zu können. Beispielhaft ist
das Projekt Safety Pilot als eine Initiative der National Highway
Traffic Safety Administration (NHTSA) hier aufgeführt, das 2012
mit einem großen Feldversuch zum vernetzten Fahren in realer
Umgebung gestartet ist.
Das EU-Projekt AdaptIVe (Automated Driving Applications and
Technologies for Intelligent Vehicles) hat zum Ziel, die Interaktion
zwischen Fahrer und Fahrzeugsystem zu optimieren. In dem Pro-
jekt wird mittels verbesserter Sensoren, kooperativer Fahrzeug-
technologien und adaptiver Algorithmen der Grad der Fahrzeug-
automation abhängig von der jeweiligen Situation bestmöglich
bestimmt. Zudem werden im Projekt die gesetzlichen Rahmen-
bedingungen für Fahrzeughersteller und Fahrer analysiert. Un-
ter anderem soll ein „Code of Practice“ für hochautomatisierte
Fahrzeuge in Bezug auf Produkthaftung und Straßenverkehrs-
vorschriften vorbereitet werden. Schließlich wird auch hochau-
tomatisiertes Fahren in ausgewählten Szenarien (z. B. Staufol-
gefahrten) demonstriert. AdaptIVe legt auf europäischer Ebene
eine Grundlage für das hochautomatisierte Fahren nicht nur aus
technologischer, sondern auch aus regulatorischer Sicht.
Inhalt des Projektes aFAS (Automatisch fahrerlos fahrendes Ab-
sicherungsfahrzeug für Arbeitsstellen auf Autobahnen) sind der
Aufbau und die Umsetzung eines automatischen Absperrfahr-
zeugs für Autobahnbaustellen und seine Erprobung im laufen-
den Straßenverkehr. Das Fahrzeug folgt hierbei fahrerlos einem
Arbeitsfahrzeug auf dem Seitenstreifen. Da der Betrieb eines
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