FAHRZEUGVERNETZUNG - page 52

Kapitel 4
Es wurde gezeigt, dass die für die Realisierung des vernetzten
und automatisierten Fahrens erforderlichen Technologien (siehe
Kapitel 2) grundsätzlich verfügbar sind und bereits erste Funkti-
onsnachweise erbracht wurden (siehe Kapitel 3).
Eine breite Anwendung des vernetzten und automatisierten Fah-
rens impliziert auch die Frage, welche Auswirkungen auf das
Verkehrssystem
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zu erwarten sind. Insbesondere das automa-
tisierte Fahren birgt die Chance, Mobilität gänzlich neu und im
Hinblick auf Kosten, Zeit und Raum deutlich effizienter zu orga-
nisieren.
Für den Straßenverkehr lassen sich mit Blick auf die vorliegen-
de Literatur und unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus den
im Rahmen dieser Studie geführten Interviews mindestens drei
unterschiedliche Einflussbereiche identifizieren. Dies sind die di-
rekten Auswirkungen auf die Steigerung der Verkehrssicherheit
und Verkehrseffizienz (Abschnitt 4.1), die Effekte für die Umwelt
unter den Gesichtspunkten Energie und Emissionen (Abschnitt
4.2) sowie die Frage nach der Realisierung von Verkehr heute
und in Zukunft (Abschnitt 4.3).
Eine neue Herausforderung für alle Verkehrsteilnehmer ergibt
sich durch den Mischbetrieb von automatisierten und nichtauto-
matisierten Fahrzeugen (Abschnitt 4.4).
Über das Straßenverkehrssystem hinaus bieten sich auch ande-
re Umgebungen für den Einsatz fahrerloser Systeme an. Beispie-
le hierfür werden abschließend in Abschnitt 4.5 dargestellt.
4.1 VERKEHRSEFFIZIENZ UND -SICHERHEIT
Zentrale Kriterien, die Investitionsentscheidungen zum Neu-
bzw. Ausbau von Straßeninfrastrukturen zugrunde liegen und die
auch im öffentlichen Bewusstsein die Güte eines Verkehrssys-
tems bestimmen, sind die Verkehrseffizienz und die Verkehrssi-
cherheit. Zur Verkehrseffizienz trägt insbesondere ein wirksames
Verkehrsmanagement bei.
Verkehrsmanagement
In fast jeder größeren Stadt in Deutschland sind Staus und lange
AUSWIRKUNGEN AUF DAS
STRASSENVERKEHRSSYSTEM
Wartezeiten ein täglich wiederkehrendes Problem. Dabei gelten
Köln, Stuttgart und Hamburg als die deutschen Städte, in denen
dieses Thema besonders brisant ist. Autofahrten am Tag dauern in
Stuttgart im Schnitt ein Drittel länger als in der Nacht. In Stoßzei-
ten kann die Verzögerung einer Fahrt auf 50 % und mehr steigen.
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Durch die Bereitstellung weiterer bzw. leistungsfähigerer Stra-
ßen können Staus reduziert werden. Dies erhöht die Kapazität
und verbessert den Verkehrsfluss, erfordert aber auch hohe
Investitionen. Darüber hinaus sind Verkehrsflächen, vor allem
in Städten, zumeist beschränkt. Somit kommen allenfalls noch
eine bessere örtliche sowie zeitliche Verteilung der Fahrzeuge
im Verbund mit einer optimierten Verkehrssteuerung in Frage, um
die Leistungsfähigkeit des bestehenden Straßenverkehrsnetzes
zu erhöhen.
Schon heute wird den Fahrern eine Vielzahl von Verkehrsinfor-
mationen über Kommunikationsmedien (Radio, Mobilfunk etc.)
zur Verfügung gestellt. Navigationsgeräte berechnen unter
Nutzung dieser Information eine optimale Route. Ein Großteil
der Autofahrer hat aufgrund dieser Hinweise die Möglichkeit,
effizienter ans Ziel zu kommen. Insbesondere leisten auch di-
verse Maßnahmen und Strategien der Verkehrssteuerung (z. B.
dynamische Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Autobahnen,
verkehrsabhängige Lichtsignalsteuerung innerorts) einen we-
sentlichen Beitrag zur Verbesserung des Verkehrsflusses. Diese
können jedoch nur auf den Verkehrsstrom als Ganzes, nicht auf
den individuellen Verkehrsteilnehmer wirken, so dass die Ein-
flussmöglichkeiten beschränkt sind. Eine kollektive Abstimmung
findet dabei nicht statt.
Automatisierung und Vernetzung des Fahrens bieten die Chance,
dass die Verkehrslenkung bis in die einzelnen Fahrzeuge hinein-
wirkt, so dass durch Kommunikation der Fahrzeuge miteinander
(kooperatives Fahren) oder durch Vorgaben einer Leitzentra-
le eine bessere Fahrzeugverteilung erfolgen kann. Hier liegen
wesentliche Potenziale hinsichtlich der Verbesserung des Ver-
kehrsflusses – beispielsweise durch Nachbilden von Schwarm-
bzw. Kollektivverhalten. Dafür muss neben der Steuermöglich-
keit auch ein ausreichend gutes Bild der gesamten Verkehrslage
vorliegen. Derzeit kommen Daten zur Verkehrssituation u. a. von
der öffentlichen Hand, aus Smartphone-Bewegungsprofilen und
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Der Fokus wird dabei auf den Straßenverkehr gelegt. An geeigneter Stelle weisen Beispiele aus anderen Bereichen auf spezifische Entwicklungen hin.
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Siehe hierzu auch Abbildung 49 in Abschnitt 5.2.
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1...,42,43,44,45,46,47,48,49,50,51 53,54,55,56,57,58,59,60,61,62,...140
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