FAHRZEUGVERNETZUNG - page 62

Einfluss auf nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer
Die Wechselwirkungen zwischen nichtmotorisierten Verkehrs-
teilnehmern und automatisiert fahrenden Fahrzeugen wurden
bereits in Abschnitt 2.6 betrachtet. Dabei geht es im Wesent­
lichen darum,
•• die Signale (Handzeichen usw.) der nichtmotorisierten
Verkehrsteilnehmer zu interpretieren,
•• sie korrekt in die Fahrzeugsteuerung zu übertragen und
•• den anderen Verkehrsteilnehmern das Verhalten des
automatisierten Fahrzeugs zu signalisieren.
Auch dabei sind Missverständnisse und daraus resultierendes
Fehlverhalten möglich. Darüber hinaus kann sich auch bei nicht-
motorisierten Verkehrsteilnehmern eine erhöhte Risikobereit-
schaft entwickeln, die auf der Erfahrung beruht, dass automa-
tisierte Fahrzeuge schnell und zuverlässig reagieren. Es ist aber
anzunehmen, dass die positiven Auswirkungen der Automatisie-
rung hier ebenfalls überwiegen, solange das Fahrverhalten des
automatisiert fahrenden Fahrzeugs für den menschlichen Ver-
kehrsteilnehmer erkennbar und verständlich ist.
Ethische und gesellschaftliche Aspekte
Neben dem Einfluss auf andere Verkehrsteilnehmer und über
technische und wirtschaftliche Themen hinaus stehen auch
ethische und gesellschaftliche Fragen im Raum. Diese treten
insbesondere in niedrigeren Stufen der Automatisierung und im
Mischverkehr auf, weil dann möglicherweise Notsituationen und
Kernergebnis:
Der Mischverkehr und die Interaktion von automatisiert
fahrenden Fahrzeugen mit nichtmotorisierten Verkehrsteil-
nehmern stellen eine besondere Herausforderung dar. Um
die positiven Auswirkungen der Automatisierung nicht zu
gefährden, ist es wichtig, dass das Verhalten der automati-
siert fahrenden Fahrzeuge für die Menschen erkennbar und
möglichst vorhersehbar ist.
Unsicherheiten bezüglich des Verhaltens anderer Verkehrsteil-
nehmer unlösbare Situationen für ein automatisiert fahrendes
Fahrzeug zur Folge haben.
Solche Situationen führen dazu, dass der Fahrer aufgefordert wird,
die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Es stellt sich aber
die Frage, inwieweit ein Fahrer, der die Steuerung in der überwie-
genden Zeit dem Fahrzeug überlässt, dazu noch in der Lage ist.
Das betrifft nicht nur die im Abschnitt 2.6 erläuterten Übernah-
mezeiten, sondern auch die grundsätzliche Eignung zur Führung
eines Fahrzeugs. Die Frage, wie diese Fähigkeit erhalten bleibt und
welche Regelungen dafür zu treffen sind, ist zu klären, bevor die
entsprechenden Stufen der Automatisierung praktisch umgesetzt
werden können.
Infobox:
Akzeptanz von Fehlern
Ein Fehlverhalten eines menschlichen Fahrers, z. B. eine Ge-
schwindigkeitsüberschreitung, wird zwar geahndet, ist aber
unter bestimmten Umständen gesellschaftlich akzeptiert.
Ein hochautomatisiert fahrendes Fahrzeug, das sich nicht
an die Verkehrsregeln hält, wäre dagegen in der öffentli-
chen Wahrnehmung inakzeptabel. Das gilt auch, wenn das
entsprechende Verkehrsschild zum Zeitpunkt der Erfassung
durch Hindernisse (z. B. einen parallel fahrenden Lkw) ver-
deckt war.
»Ein Roboterauto, das einen Menschen überfahren hat, wird
schnell die Akzeptanz verlieren. Damit das Roboterauto ak-
zeptiert wird, muss es also nachweislich wesentlich besser
fahren als ein menschlicher Fahrer. Das dürfte grundsätzlich
technisch machbar sein. Den Nachweis zu erbringen, dass
es tatsächlich so ist, wird aber sehr viel Zeit und Geld ver-
schlingen.«
Prof. Hermann Winner,
Technische Universität Darmstadt, Professur für Fahrzeugtechnik
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faz.net (2013).
Kapitel 4
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