FAHRZEUGVERNETZUNG - page 63

Auch ethische Fragen gilt es zu betrachten. Wie soll ein autonom
fahrendes Fahrzeug entscheiden, falls ein Unfall unvermeidlich
ist? Wer ist zu schützen, der Fußgänger außerhalb des Fahrzeugs
oder die Insassen? In welche Richtung soll das Fahrzeug auswei-
chen, wenn links und rechts andere Verkehrsteilnehmer betroffen
sein werden? Muss die Entscheidung auf Basis einer Risikoab-
wägung erfolgen oder zufällig? Auch diese Fragen sind zu klären,
bevor hoch- oder vollautomatisiert fahrende Fahrzeuge genutzt
werden können.
4.5 BEISPIELE AUS ANDEREN VERKEHRS- UND
TRANSPORTSYSTEMEN
Parallel zu den Aktivitäten zum automatisierten und vernetzten
Fahren im Straßenverkehrssystem, die erst in der Zukunft ihre vol-
le Wirkung entfalten werden, gibt es schon heute Einsatzgebiete
in anderen Verkehrs- oder Transportsystemen, in denen sich die
Technologien im praktischen Einsatz oder in der Einführungsphase
befinden. Es zeichnen sich Anwendungsmöglichkeiten im gewerb-
lichen Bereich mit großem Potenzial ab, weil die Bedingungen für
den Einsatz weniger streng oder besser gestaltbar sind und sich
Investitionen unmittelbar durch Produktionsfortschritte amortisie-
ren können.
Verkehre auf Werksgeländen
Auch auf Werksgeländen dürfen selbstfahrende Fahrzeuge nur
unter Einschränkungen agieren. So ist beispielsweise zu verhin-
dern, dass Mitarbeiter sich in dem Bereich aufhalten, in dem das
Fahrzeug sich bewegt. Zumindest muss gewährleistet sein, dass
die Mitarbeiter dort geeignet geschützt werden. Da aber derarti-
ge Rahmenbedingungen auf abgeschlossenen Werksgeländen
»Es ist einfacher als gedacht, ethische Regeln in selbst fah-
rende Autos einzubauen. Aber viel schwieriger ist es, zu
entscheiden, ob diese ethischen Regeln auch angemessen
sind.«
Prof. Chris Gerdes,
Universität Stanford
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69
Vgl. zeit.de (2014).
70
Vgl. DHL (2014).
71
Siehe
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golem.de (2015c), spiegel.de (2015), siehe auch
einfacher zu realisieren sind als im öffentlichen Raum, ist hier die
Nutzung von Fahrzeugen ohne Fahrer (bzw. selbstfahrenden Ar-
beitsmaschinen) bereits seit Jahren verbreitet. Es kommen z. B.
Gabelstapler, aber auch Kräne, Baumaschinen und Reinigungs-
fahrzeuge zum Einsatz. Eine Studie der Deutschen Post DHL, die
in Zusammenarbeit mit Bosch und dem KIT (Karlsruher Institut für
Technologie) erstellt wurde, beleuchtet die Situation auf Werks-
geländen (Lager, Anlieferhöfe, Häfen, Flughäfen).
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Neben dem
Transport werden die Be- und Entladevorgänge automatisiert. Der
gesamte Prozess wird zunehmend selbstorganisierend bewerk-
stelligt, wie es STILL mit Schubmaststaplern zeigt (siehe Abbildung
45).
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Beispielsweise erkennen die Fahrzeuge selbständig belaste-
te Routen und adaptieren ihre eigenen Wege.
Logistik im Luftraum
Verschiedene Paketdienste und Logistikunternehmen erproben
die Auslieferung mit unbemannten Flugzeugen (Kopter, Drohnen).
Bekannt sind die Pläne von Amazon in den USA sowie die Tests
von DHL zur Lieferung von Medikamenten auf die Insel Juist im
Sommer 2014. Auch Google arbeitet an der Zustellung per Drohne.
Darüber hinaus finden in anderen Teilen der Welt ähnliche Tests
statt. In China wurde beispielsweise im Februar 2015 testweise Tee
an Kunden eines Online-Shops per Drohne ausgeliefert.
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Noch sind diese Zustelldienste nicht kommerziell nutzbar. Die Flug-
aufsichtsbehörde der USA hat im Februar 2015 Regeln angekün-
Abbildung 45: Selbstfahrende Schubmaststapler im Logistikzentrum. (Quelle: © STILL)
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