FAHRZEUGVERNETZUNG - page 80

Kapitel 5
Eine weitere Gruppe von Diensten umfasst Anwendungen des
Fahrzeugmanagements:
Systemzustände von Fahrzeugen kön-
nen über Mobilfunk ausgelesen oder neue Software kann auf-
gespielt werden.
Auf Basis umfangreicher Datenmengen und dank der Verfüg-
barkeit von Analysewerkzeugen lassen sich schon heute gravie-
rende Ausfälle von Systemelementen im Fahrzeug vorhersehen
und vorbeugende Aktivitäten einleiten, bevor größere Schäden
entstehen. Die entsprechenden Teile werden bei der nächsten
Wartung ausgetauscht. Im Extremfall könnte auch der Halter an-
gerufen und in die Werkstatt gebeten werden. BMW lässt sich
bei diesen Analysen seit 2014 von IBM unterstützen.
103
Zukünftig lassen sich weitere Potenziale auf Basis von Echtzeit-
daten aus den Fahrzeugen erschließen. Das Anbieten solcher
Dienste ermöglicht den OEM darüber hinaus auch, die Beziehung
zum Kunden auch nach dem Kauf eines Fahrzeugs im Sinne eines
„Customer Relationship Management“ zu intensivieren bzw. aus-
zubauen. Empirische Erhebungen zeigen, dass für Fahrzeugkäufer
ein Angebot an Fahrzeugkonnektivität ein zentraler Grund für den
Kauf einer bestimmten Marke sein kann. Laut PwC wird der globa-
le Markt für solche Services im Bereich des „Fahrzeugmanage-
ments“ gegenwärtig auf ca. 2,1 Mrd. EUR geschätzt – bis zum Jahr
2020 wird eine Verdreifachung auf 6,7 Mrd. EUR erwartet.
104
Darüber hinaus lassen sich über den Mobilfunkkanal Software-
Updates einspielen. Der amerikanische Automobilhersteller Tes-
la geht sogar noch einen Schritt weiter und beabsichtigt, nicht
nur neueste Betriebssysteme und neuestes Kartenmaterial, son-
dern neue, erweiterte Funktionalitäten auf diese Weise bereit-
zustellen.
Eine dritte Gruppe von Anwendungen basiert auf dem
Austausch
von (Fahrzeug-)Daten
mit Dritten,
die aus diesen Informationen
wiederum einen Mehrwert schöpfen und diesen Vorteil auch
(monetär) an den Kunden zurückgeben. So lassen sich Versi-
cherungsprämien, die einen nicht unerheblichen Anteil an den
tatsächlichen Betriebskosten eines Pkw haben (siehe Abbildung
55), individuell in Abhängigkeit von Fahrleistung und Fahrverhal-
ten bemessen. Tarifmodelle, die hierauf basieren, werden auch
als „Pay as you drive“-Tarife bezeichnet.
Über diese Dienste hinaus ergeben sich Umsatzpotenziale aus
dem
Ausstattungsgeschäft
mit „Connectivity Hardware“.
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Die
Unternehmensberatung McKinsey quantifiziert das Volumen auf
gegenwärtig 29 Mrd. EUR (2014) und rechnet mit einem Anstieg
Infobox:
Tesla Software-Updates
Tesla hat im März 2015 angekündigt, für das Model S zukünf-
tig Software-Updates bereitzustellen, über die neue Funkti-
onalitäten des automatisierten Fahrens eingespielt werden.
Die Fahrzeuge verfügen bereits ab Werk über die relevante
Sensorik – nun soll die für die Automatisierung notwendige
Algorithmik als Software über den Kommunikationskanal
Mobilfunk aufgespielt werden. Damit werden Funktionen
bereitgestellt, die zukünftig erlauben, das Fahrzeug auf pri-
vatem Gelände selbständig zu seinem Besitzer fahren zu
lassen, wenn dieser es herbeiruft, oder das Auto allein in die
Garage fahren und parken zu lassen.
105
103
informationweek.com (2014).
104
Vgl. ingenieur.de (2012), Detecon (2014), McKinsey (2014) und PwC (2014).
105
golem.de (2015).
106
Vgl. PwC (2014).
Abbildung 55: Kosten je Kilometer Autofahrt (in Cent). (Eigene Darstellung; Quelle:
Randelhoff, M. (2014); Berechnung am Beispiel eines Golf VI)
38,54
Kraftstoff
24,97
Wertverlust
8,50
Versicherung
3,30
Instandhaltung
1,20
Steuern
0,40
Technische
Untersuchungen
0,17
78
1...,70,71,72,73,74,75,76,77,78,79 81,82,83,84,85,86,87,88,89,90,...140
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