KOMPETENZ IN ELEKTROMOBILITÄT - page 23

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Die Anwendung der Elektromobilität in unse-
rem Alltag macht langfristig nur Sinn, wenn
das Gesamtsystem betrachtet wird, in dem der
Wandel hin zur Elektromobilität einen wichti-
gen Baustein der Energiewende darstellt. Die
Elektromobilität bietet eine Möglichkeit, inter-
nationale Verbrauchs- und CO
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-Grenzwerte
langfristig einzuhalten, indem sie den Ener-
giebedarf des Mobilitätsbereichs von fossilen
Energieträgern entkoppelt. Darüber hinaus
können Elektrofahrzeuge als flexible Strom-
speicher eingesetzt werden, die regenerativ
erzeugte Energie zwischenspeichern und bei
Bedarf abgeben, womit sie einen wichtigen
Beitrag zur Netzstabilität leisten.
Der Wandel hin zur nachhaltigen Mobilität
wirkt sich direkt und indirekt auf verschiedene
Bereiche unseres Lebens aus und wird unsere
Lebenswelt dauerhaft verändern. Vor allem im
innovativen Wohnbau sind die Einsatzmög-
lichkeiten der Elektromobilität vielfältig, wie
aktuelle Projekte in Baden-Württemberg an-
schaulich belegen.
Im Rahmen des Schaufensterprojekts Fell-
bach ZEROplus werden beispielsweise sieben
Stadthäuser erbaut, die deutlich mehr Energie
erzeugen, als die Bewohner verbrauchen. Da-
bei wurde das inzwischen bekannte Konzept
des Plus-Energie-Hauses weiterentwickelt
und um den Bereich elektrischer Mobilität
erweitert. Mit dem Solarstrom, der durch die
Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugt
wird, werden künftig die Haushalte versorgt
und mehrere Elektrofahrzeuge betankt.
In anderen Projekten des LivingLab BW
e
mo-
bil, wie beispielsweise im Projekt Wohnen
und Elektromobilität im Rosensteinviertel
Stuttgart, werden Hausgemeinschaften als
Alternative zum eigenen PKW mehrere elek-
trische Carsharing-Fahrzeuge zur Verfügung
gestellt. Ein anderes Beispiel, das derzeit in
Stuttgart realisiert wird, aber nicht Bestandteil
eines Förderprogramms ist, ist das Wohnpro-
jekt am Europaplatz. Gemeinsames Ziel dieser
Projekte ist die möglichst effiziente Nutzung
der Fahrzeuge. Der Einsatz elektrischer sowie
auch konventionell angetriebener Carsharing-
Fahrzeuge wirkt sich grundsätzlich positiv auf
den innerstädtischen Verkehr aus, da die Ge-
samtanzahl der Fahrzeuge sinkt. Durch eine
gute Vernetzung mit dem ÖPNV kann diese
Wirkung noch deutlich verbessert und können
die Emissionen noch weiter verringert werden.
Welchen Beitrag die Elektromobilität zu den
Stadtentwicklungs- und Klimaschutzzielen in
Städten mittlerer Größe, in sogenannten Mit-
telzentren, leisten kann, wird beispielsweise
im Projekt Elektromobilität im Stauferland
(EMiS) untersucht. Das gemeinsame Projekt
der Städte Göppingen und Schwäbisch Gmünd
wird im Rahmen der Modellregion Elektromo-
bilität durch das Bundesverkehrsministerium
gefördert. Als Ergebnis wird bis Ende 2014
ein Leitfaden für Kommunen entwickelt, der
aufzeigt, wie und unter welchen Bedingun-
gen sich eine Kommune zur „elektromobilen
Stadt“ entwickeln kann.
Die Integrationsmöglichkeiten für die Elek-
tromobilität beschränken sich jedoch nicht
nur auf Wohnimmobilien. In Sindelfingen wird
beispielsweise ein Gewerbegebiet nachhal-
tig, energieeffizient und ressourcensparend
gestaltet. Diese Umgestaltung wird finan-
ziert durch das Umweltministerium Baden-
Württemberg. Im Rahmen des Schaufens-
terprojekts eCarPark Sindelfingen wird dort
ein intelligentes Netz (Smart Grid) aufgebaut,
in das mehrere Elektrofahrzeuge integriert
werden. Diese Fahrzeuge nutzen den vor Ort
regenerativ erzeugten Strom, werden als fle-
xible, mobile Energiespeicher eingesetzt und
tragen damit zu einer guten Energiebilanz des
Gewerbegebiets bei.
Diese Beispiele verdeutlichen, welche vielfälti-
gen Anwendungsfelder für die Elektromobilität
schon heute bestehen und wie intelligente,
elektromobile Angebote zur Ausgestaltung
einer nachhaltigen Lebenswelt beitragen kön-
nen.
Nachhaltiger Mehrwert durch Integration und Vernetzung
Elektromobilität verändert unsere Lebenswelt
Kapitel 4
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