STRUKTURSTUDIE - page 62

Kapitel 3
3.6.4 DISKUSSION DER ERGEBNISSE
Da Baden-Württemberg heute als Technologieführer beim
Verbrennungsmotor gilt, stellt sich die Frage, inwieweit die im
Rahmen der Untersuchung ausgewiesenen Beschäftigungspo-
tenziale, die in den neuen Komponenten liegen, zukünftig aus-
geschöpft werden können und ob der bestehende Weltmarktan-
teil baden-württembergischer Unternehmen weiterhin gehalten
werden kann. Neben der Diskussion auf Ebene der neuen Kom-
ponenten gilt es auch die Entwicklungen bei konventionellen
Komponenten kritisch im Auge zu behalten. Verlagerung von
Forschungs- und Produktionsstandorten ansässiger Unterneh-
men oder Stagnation von wichtigen Märkten (EU) können als
Herausforderungen für die kommenden Jahre hinsichtlich der
Aufrechterhaltung lokaler Wertschöpfung genannt werden.
ELEKTRISCHE MASCHINE
Der Markt wird nach wesentlich mehr elektrischen Maschinen
verlangen. Allerdings kann Baden-Württemberg heute keine
großskalige Serienherstellung im Bereich der elektrischen Ma-
schinen vorweisen. So hat beispielsweise das Joint Venture
von Bosch und Daimler (EM-motive) seine Produktion der elek-
trischen Maschinen in Hildesheim (Niedersachsen) angesie-
delt. Der sehr hohe Anteil der Materialkosten an den gesamten
Herstellkosten elektrischer Maschinen kann als limitierender
Faktor hinsichtlich einer tatsächlich erzielbaren Wertschöp-
fung im Land gesehen werden. Unter der Annahme, dass sich
im Jahr 2025 eine begrenzte Anzahl an Unternehmen in Baden-
Württemberg mit der Fertigung von Traktionsmotoren und dafür
erforderlichen Komponenten (Wellen, Stator, Rotor, Gehäuse
etc.) beschäftigen, erfolgt im Rahmen einer derzeitigen Ein-
schätzung eine Reduzierung des theoretischen Marktpotenzials
in diesen Segmenten von 6 auf 2 %.
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ImBereich derMontage und Prüftechnik hingegenwird die Errei-
chung des theoretischen Anteils von 6 % angenommen. Mit über
50 % aller deutschen Werkzeugmaschinen- und Präzisions-
werkzeugherstellern verfügt das Land Baden-Württemberg
über optimale Voraussetzungen, um auch in Zukunft mit innova-
tiven Konzepten und Produktionstechnologien Unternehmen der
Automobilindustrie mit vollen Kräften zu unterstützen. Bestens
ausgebildete Fachkräfte und eine gute Vernetzung zwischen
Unternehmen und Hochschulen lassen sich als weitere Vorteile
in Baden-Württemberg identifizieren, welche zukünftig zur Er-
reichung dieser Zielsetzung weiter ausgebaut werden müssen.
Auf Basis dieser Annahmen wird eine Reduzierung des theore-
tischen Marktanteils (6 %) über alle betrachteten Wertschöp-
fungssegmente auf 2,8 % als derzeit realistischer Referenzwert
angenommen.
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Hieraus resultiert für Baden-Württemberg ein
„ausschöpfbares“ Marktpotenzial von 588 Millionen Euro im
Jahr 2025, was einem Beschäftigungspotenzial von +1.170 Be-
schäftigten entspricht.
LEISTUNGSELEKTRONIK
Die Leistungselektronik dient als wesentlicher Baustein im
elektrifizierten Antriebskonzept. Die Herstellung der einzelnen
Komponenten wie Leistungsmodul, Folienkondensator oder
Steuerelektronik erfordern hierbei jedoch enormes Wissen
und Erfahrung in der Halbleitertechnik und im Hochvoltbereich.
Durch den großen Stellenwert der Montagetätigkeiten im Rah-
men der Herstellung nehmen präzise abgestimmte Prozess-
technik und aufwendige Qualitätssicherungsprozesse einen
wichtigen Bestandteil im Rahmen der Leistungserstellung ein.
Aufgrund bestehender Aktivitäten in der Leistungselektronik-
herstellung im Land Baden-Württemberg erfolgt eine moderate
Anpassung des zu erwartenden Marktanteils im Jahr 2025 vom
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Ein Marktanteil von 6 % entspräche dem durchschnittlichen Weltmarktanteil Baden-Württembergs bezogen auf den Automotive-Markt 2013.
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Der Berechnung liegt eine Verteilung von 80 % Komponentenfertigung inklusive Vorleistungen und 20 % Montage- und Prüftätigkeiten
(inklusive Maschinen und Anlagenbau) zugrunde (vgl. hierzu Kampker (2014)).
BRENNSTOFFZELLENSYSTEM
Im Bereich der Herstellung von Brennstoffzellensystemen für zu-
künftige Fahrzeuggenerationen ergibt sich unter Berücksichtigung
der angenommenen Marktverteilung eine theoretische Verände-
rung des Marktvolumens von 0,34 Milliarden Euro im Jahr 2025,
was einem Zuwachs von +675 Beschäftigten gegenüber dem Jahr
2013 entspricht.
ZUSAMMENFASSUNG
Für das Jahr 2025 ergibt sich durch die Komponenten des elektrifi-
zierten Antriebsstrangs ein theoretisches Potenzial von insgesamt
+11.485 Beschäftigten gegenüber dem Referenzzeitpunkt (2013).
Zusammen mit den Potenzialen aus den „konventionellen“ Wert-
schöpfungssegmenten ergibt sich für das Jahr 2025 ein Gesamtbe-
schäftigungspotenzial von +24.015 Beschäftigten gegenüber dem
Referenzjahr 2013.
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1...,52,53,54,55,56,57,58,59,60,61 63,64,65,66,67,68,69,70,71,72,...116
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