STRUKTURSTUDIE - page 66

Kapitel 4
4.1 BADEN-WÜRTTEMBERG AUF DEM WEG ZUM LEITMARKT
Im Rahmen dieses Kapitels wird der Stand der Elektromobilität in
Baden-Württemberg aus Sicht zentraler Akteure der Politik be-
leuchtet. Dazu erfolgt zunächst eine Betrachtung von Förderinstru-
menten für die Marktdurchdringung einschließlich einer expliziten
Auflistung von Maßnahmen zur Förderung von Elektrofahrzeugen
in verschiedenen Ländern. Dem schließt sich eine Darstellung von
Märkten und Fördermodellen im internationalen Vergleich an, wo-
bei auch ein Überblick über Kaufförderungen für Elektrofahrzeuge
Berücksichtigung findet. Eine Beschreibung von Schlussfolgerun-
gen für Baden-Württemberg aus den gewonnenen Erkenntnissen
bildet den Abschluss des Kapitels.
AKTIVITÄTEN UND ERFAHRUNGEN
Abbildung 43: Gesamtkostenvergleich zwischen Verbrennungs- und Elektrofahrzeug.
68
68
Teichmann (2014).
69
Vgl. hierzu die Expertenaussagen in Kapitel 4.3.
4.1.1 INSTRUMENTE ZUR FÖRDERUNG DER
MARKTDURCHDRINGUNG
Die Übernahme der Leitmarktrolle ist eine Voraussetzung der
Leitanbieterschaft und daher für die Wertschöpfung in Baden-
Württemberg von hoher Relevanz [NPE (2014a)]. Zudem ist es
aufgrund der ökologischen Vorteile von Elektrofahrzeugen auch
volkswirtschaftlich sinnvoll, die geringeren externen Kosten von
Elektrofahrzeugen durch eine Förderung zu internalisieren. Abbil-
dung 43 zeigt, dass die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten eines
konventionellen Fahrzeugs über die Lebensdauer betrachtet heute
kaum höher sind als die eines Elektrofahrzeugs.
Zur Förderung der Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen
gibt es eine Vielzahl von Förderinstrumenten, die in die Kategorien
Privilegierung, Preissteuerung und Ladeinfrastrukturförderung un-
terteilt werden können.
Abbildung 44 zeigt die Bandbreite der wichtigsten und internatio-
nal bereits eingesetzten Fördermaßnahmen. Über die genannten
Maßnahmen hinaus gibt es weitere Möglichkeiten, die Markt-
durchdringung von Elektrofahrzeugen zu fördern. Die Flottenemis-
sionsvorgaben der europäischen CO
2
-Regulierung sind ein starker
indirekter regulatorischer Anreiz für Automobilhersteller, in Elek-
trofahrzeuge zu investieren und dadurch ihre kalkulatorischen
Flottenverbrauchswerte zu reduzieren.
69
Die direkte Mengensteu-
erung zählt zu den radikalsten regulatorischen Eingriffen. Kalifor-
nien erließ im Jahr 1991 eine Quotenregelung, welche die herstel-
lerbezogene Vorgabe enthielt, dass ab 1998 2 % und ab 2003 10 %
der zugelassenen Fahrzeuge Zero Emission Vehicles sein mussten.
Mit einer Nichteinhaltung waren erhebliche Strafzahlungen ver-
bunden [Naunin (2007)].
Die Vorgaben wurden Ende der 1990er-Jahre jedoch völlig aufge-
weicht. Gesetzliche Vorgaben hinsichtlich der Beschaffung von
Elektrofahrzeugen durch die öffentliche Hand werden bislang nur
in Frankreich gemacht. Insgesamt müssen 25 % der neu durch die
öffentliche Hand angeschafften Fahrzeuge in Frankreich rein bat-
terieelektrische Fahrzeuge sein [Teichmann (2014)]. Eine weitere
denkbare Maßnahme sind zudem „Negativförderungen” (Malus-
Förderungen) wie beispielsweise die Erhöhung der Steuern für
konventionelle Fahrzeuge, sodass Elektrofahrzeuge relativ zu kon-
ventionellen Fahrzeugen günstiger werden.
0
10.000
20.000
40.000
50.000
60.000
30.000
Konventioneller PKW
Elektro-PKW
Umweltkosten
Anschaffungskosten
Betriebskosten
20.000
4.500
26.000
9.500
38.500
Fahrzeugkosten [
]
64
1...,56,57,58,59,60,61,62,63,64,65 67,68,69,70,71,72,73,74,75,76,...116
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