STRUKTURSTUDIE - page 68

Kapitel 4
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Eigene Darstellung auf Basis eigener Berechnungen unter der Annahme einer Nutzungsdauer von 7 Jahren und einer Zugrundelegung eines Renault Zoe als Referenzfahrzeug.
Anm.: Trotz der niedrigen Förderhöhe ist der Anteil an Neuzulassungen in den Niederlanden vergleichsweise hoch. Dies liegt darin begründet, dass in den Niederlanden
zusätzlich zu der hier abgebildeten Förderung weitere Förderungen auf kommunaler Ebene, Subventionierungen von als Taxis/Lieferfahrzeuge genutzten EFZ, eine steuerliche
Besserstellung von privat genutzten Firmen-EFZ sowie eine steuerliche Begünstigung für gewerbliche Halter existieren.
4.1.2 MÄRKTE UND FÖRDERMODELLE IM INTERNATIONALEN
VERGLEICH
Zwischen der Förderhöhe und dem Marktanteil von Elektrofahr-
zeugen besteht ein eindeutiger Zusammenhang. Im Rahmen einer
Auswertung internationaler Daten wurden verschiedene Förder-
maßnahmen quantifiziert, aggregiert und annualisiert. Abbildung
45 zeigt den eindeutigen Zusammenhang von Förderhöhe pro Jahr
für Privatkunden und Anteil von Elektrofahrzeugen an den gesam-
ten Neuzulassungen. In den Leitmärkten wird eine Bandbreite an
verschiedenen Förderinstrumenten genutzt.
In Oslo, dem wichtigsten Markt in Norwegen, werden bei der An-
schaffung die ansonsten sehr hohen Zulassungssteuern sowie
die Mehrwertsteuer in Höhe von 25 % erlassen. Die Kraftfahr-
zeugsteuer ist reduziert und es gibt eine 50-%-Minderung auf die
Besteuerung der privaten Nutzung von Dienstwagen. Es werden
keine Straßenbenutzungsgebühren (City-Maut, Bundesstraßen
etc.) erhoben und die Fahrzeuge dürfen die für Busse und Taxis
reservierten Fahrspuren mitbenutzen. Die Fahrzeuge dürfen gra-
tis in der Stadt parken und bekommen den Strom an öffentlichen
Ladestationen gratis. Zudem bezahlen E-Fahrzeuge keine Fährge-
bühren und dürfen während der Überfahrt kostenlos laden.
Rotterdam, ein weiterer europäischer Leitmarkt, profitiert von den
staatlichen niederländischen Fördermaßnahmen. Die niederlän-
Abbildung 45: Einfluss der Förderung von Elektrofahrzeug-Privatkunden auf die
Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen.
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7 %
6 %
5 %
4 %
3 %
2 %
0 %
1 %
3.000
2.000
1.500
1.000
500
0
2.000
Anteil EFZ an Neuzulassungen 2013
Förderungshöhe p.a. in Euro
5,6 %
4,0 %
6,1 %
0,1 %
0,6 %
0,8 %
1,6 %
0,2 %
dische Regierung erlässt den Käufern von Elektrofahrzeugen die
PKW-Kaufsteuer (Umsatz- und Einfuhrsteuer in Höhe von 42,5 %)
und die Kfz-Steuer. Zudem werden die Steuersätze für die private
Nutzung von Dienstwagen erheblich reduziert, sodass ein Groß-
teil der in den Niederlanden zugelassenen Elektrofahrzeuge privat
genutzte Dienstwagen sind [NPE (2014a)]. Zusätzlich zu den staat-
lichen Maßnahmen hat die Stadt Rotterdam ein eigenes Elektro-
mobilitätsförderprogramm aufgelegt. So erhalten z.B. die ersten
5.000 gewerblichen Kunden bei Kauf eines Elektrofahrzeugs eine
Abwrackprämie in Höhe von 2.500 Euro. Dies führt dazu, dass
gewerbliche Fahrzeuge bis zu 75 % unter dem ursprünglichen
Kaufpreis (zzgl. Batterieleasing) liegen können [Nissan (2014)]. Als
weitere erfolgreiche Maßnahme hat sich der Rotterdamer Ansatz
erwiesen, private Ladeinfrastruktur zu fördern und Elektrofahr-
zeugkäufern ohne private Lademöglichkeit eine öffentliche Lade-
möglichkeit in der Nähe des Wohnorts zu bieten.
In Kalifornien kommt zusätzlich zur US-amerikanischen „Kaufprä-
mie” in Form einer Steuergutschrift auf die Einkommenssteuer in
Höhe von max. 7.500 US-Dollar noch eine kalifornische Kaufprämie
in Höhe von max. 2.500 US-Dollar hinzu. Zudem wird in Kaliforni-
en der Aufbau privater Ladeinfrastruktur (Home Charger) monetär
gefördert und das Laden an öffentlichen Ladestationen ist häufig
kostenfrei. Außerdem dürfen Elektrofahrzeuge auf kalifornischen
Highways die sogenannte High-Occupancy-Lane sowie die High-
Occupancy-Toll-Lane mitbenutzen, was einem dreistelligen mone-
tären Gegenwert pro Jahr entspricht.
Deutschland fördert die Marktdurchdringung von Elektrofahrzeu-
gen monetär derzeit nur in geringem Maße durch die Befreiung
von der Kfz-Steuer und den Nachteilsausgleich bei der Dienstwa-
genbesteuerung. Geplant ist es, die im Regierungsprogramm zur
Elektromobilität bereits genannten Beschaffungsprogramme für
öffentliche und industrielle Fuhrparks umzusetzen. Beispielweise
hat die Bundesregierung 2012 die Initiative gestartet, bei Neufahr-
zeugen mehr als 10 % umweltfreundliche Fahrzeuge zu erwerben
[NPE (2014a); Bundesregierung (2011)]. Die Nationale Plattform
Elektromobilität schlägt darüber hinaus in ihrem Bericht 2014 vor,
eine Sonder-AfA für gewerbliche Nutzer einzuführen und je nach
Entwicklung des Markthochlaufs KfW-Kredite für Elektrofahrzeu-
ge zu gewähren und die Kfz-Steuerbefreiung auf PHEV und REEV
auszuweiten [NPE (2014a)]. Zur Förderung des Ladeinfrastruktur-
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1...,58,59,60,61,62,63,64,65,66,67 69,70,71,72,73,74,75,76,77,78,...116
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