STRUKTURSTUDIE - page 79

4.3.2 EXPERTENSICHT AUF DIE FORSCHUNGSAKTIVITÄTEN
DEUTSCHER UNTERNEHMEN UND DIE POSITION IM
INTERNATIONALEN WETTBEWERB
Aufseiten der Unternehmen wird an verschiedenen Kennzahlen
und strategischen Entscheidungen deutlich, dass alternative An-
triebskonzepte mittlerweile ein fester Bestandteil der Forschungs-
und Investitionsentscheidungen geworden sind:
Neben der kontinuierlichen Optimierung von technischen Bedin-
gungen wie der begrenzten Batteriekapazität und den hohen Fer-
tigungskosten werden vor allem Kommunikationskonzepte gefor-
dert, die Elektrofahrzeuge mit positiven Emotionen, Fahrspaß und
Sportlichkeit in Verbindung bringen. Demnach sollen Elektrofahr-
zeuge als die richtige Wahl für urbane Mobilität positioniert wer-
den, anstatt einen Eindruck von Einschränkungen und Komplexität
zu vermitteln. Hier sind vor allem die Fahrzeughersteller, aber auch
die Händler gefragt, die im direkten Kontakt zum Kunden stehen
und deren Beratungsfunktion beim Autokauf einen entscheidenden
Einfluss auf die Wahrnehmung von Elektrofahrzeugen haben kann.
Weiterhin sprachen sich die befragten Unternehmensvertreter
mehrheitlich für umfassende und zentral koordinierte Marktanreiz-
systeme aus. Nicht-monetäre Instrumente wie privilegierte Park-
plätze seien jedoch lediglich ein erster Schritt, um zum Kauf eines
Elektrofahrzeugs zu motivieren. Darüber hinaus wurde in den Inter-
views deutlich, dass Vertreter der freien Wirtschaft die Hoffnung
auf direkte finanzielle Kaufanreize noch nicht aufgegeben haben.
»Wir haben bei uns hart in die Budgets eingegriffen. Von über
fünf Milliarden Euro, die die Daimler AG jährlich in F&E inves-
tiert, fließt rund die Hälfte in grüne Technologien. Das spiegelt
die strategische Ausrichtung unseres Unternehmens wider
und die Konsequenz, mit der wir dieses Thema umsetzen.«
Prof. Dr. Thomas Weber, Daimler AG
Tabelle 52: Wie hat sich das Thema Elektromobilität speziell auf die Strukturen in
Ihrem Unternehmen ausgewirkt?
Wie hat sich das Thema Elektromobilität speziell auf die
Strukturen in Ihrem Unternehmen ausgewirkt?
Dr. Volkmar Denner
Bei uns hat sich das Thema sehr umfassend ausgewirkt. Zum einen
sind wir in das
Geschäft mit E-Bikes und Scootern eingestiegen
.
Bei den E-Bike-Antrieben sind wir inzwischen Marktführer in Euro-
pa. Außerdem haben wir mit der Gründung des
Robert Bosch Zen-
trums für Leistungselektronik
ein wichtiges Zeichen gesetzt. Wir
haben Softwarelösungen auf den Markt gebracht, die den Kunden
ein einfaches Laden ihrer Fahrzeuge ermöglichen. Das sind wichti-
ge strategische Weichenstellungen, die zeigen, dass wir
viel Geld
und mit einem langen Atem in das Thema investieren
.
Siegbert Lapp
Wir sind natürlich sehr
aktiv in der Umsetzung von vielen Projek-
ten
und sind
vielfach als Lieferant
tätig. Da gibt es in Zukunft jedoch
noch eine ganze Menge mehr Möglichkeiten für uns. Im Bereich der
Hochvoltverkabelung im Fahrzeug
haben wir zum Beispiel eine Rei-
he ­interessanter Lösungen, die wir künftig an unsere Kunden wei-
tergeben werden.
Karl Schmauder
Wir haben in den vergangenen Jahren kräftig investiert,
sowohl
in F&E als auch in hochmoderne Fertigungsanlagen
. Schließlich
geht es für uns darum,
unsere Technologiekompetenz
im Bereich
der konventionellen Antriebe
auf das Feld des elektrischen An-
triebsstranges zu übertragen
. Seit 2013 beliefern wir mit technisch
anspruchsvollen Komponenten namhafte Automobilunternehmen.
Prof. Dr. Thomas Weber
Wir haben beim Thema Elektromobilität bereits
früh auf Breite ge-
setzt
. So haben wir aktuell zehn unterschiedliche, rein elektrische
Modelle mit Batterie und Brennstoffzelle am Markt und werden
darüber hinaus insgesamt zehn Plug-in-Hybride bis 2017 einführen.
Doch
wir denken auch über das Fahrzeug hinaus
– etwa, indem wir
unser Carsharing-Modell car2go mit einbeziehen. Zudem haben wir
uns sehr für die
Qualifizierung unserer Mitarbeiter
engagiert und
in den vergangenen Jahren
84.000 Beschäftigte in alternativen An-
triebskonzepten und Leichtbau geschult
, um die notwendige Basis
zu schaffen.
ELEKTROMOBILITÄT IN ZAHLEN
Baden-Württemberg geht voran.
Hier befinden sich knapp 20 % der
Elektro-PKW und der Elektro-
Ladepunkte Deutschlands.
(Agentur für Erneuerbare Energien, 2014)
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