STRUKTURSTUDIE - page 82

Kapitel 4
Darüber hinaus sei bisher noch nicht abschließend entschieden,
in welchem Maße private Akteure zum Infrastrukturausbau bei-
tragen sollen. Die befragten Experten aufseiten der Unternehmen
waren sich hingegen einig, dass die Bereitstellung öffentlich zu-
gänglicher Lademöglichkeiten eine Aufgabe des Staates sei und
als Form der „öffentlichen Daseinsvorsorge” über öffentliche
Gelder finanziert werden müsse. Ein besonderer Schwerpunkt
liege hierbei im Aufbau einer diskriminierungsfreien Schnelllade-
infrastruktur, die es künftig ermöglichen solle, die eingeschränkten
Reichweiten von Elektrofahrzeugen abzufedern und deren Fahrern
die Möglichkeit zu geben, den Radius ihrer Fahrten auf Langstre-
cken auszudehnen.
Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang vor allem die bisher
mangelnde Koordination unter den Verantwortlichen. Schließlich
sei es für eine weitere Verbreitung der Elektromobilität kontra-
produktiv, wenn proprietäre Zugangssysteme und mangelnde In-
teroperabilität unterschiedlicher Lademöglichkeiten einer nutzer-
freundlichen Gesamtlösung entgegenstünden. So könne man sich
als Fahrer eines Elektrofahrzeugs heute noch keinesfalls darauf
verlassen, dass man sein Fahrzeug im Einzugskreis eines anderen
Energieversorgers ohne vorherigen Anmeldevorgang tatsächlich
wieder aufladen könne.
Tabelle 55: Wie beurteilen Sie den Status quo der Ladeinfrastruktur und welche
Maßnahmen erwarten Sie für die Zukunft?
Wie beurteilen Sie den Status quo der Ladeinfrastruktur und
welche Maßnahmen erwarten Sie für die Zukunft?
Dr. Volkmar Denner
Mir ist es wirklich
ein Dorn im Auge
, wenn ich sehe,
dass hier
wieder diese Kleinstaaterei beginnt
. Hier bauen
zu viele Player
unterschiedliche Lösungen
auf, obwohl das die kleine Zahl von
Fahrzeugen eigentlich überhaupt nicht rechtfertigt. Dabei haben
wir bereits Lösungen entwickelt, die sich als Plattform für alle eig-
nen.
Winfried Hermann
Bei der Ladeinfrastruktur kann die öffentliche Hand im Sinne ei-
ner umfassenden Verantwortung für Infrastruktur aktiv werden.
Die Entscheidung,
wie viel als öffentliche Daseinsvorsorge nötig
ist und wie viel private Initiative sein muss, ist aber noch nicht
gefallen
.
Siegbert Lapp
Ich denke, der
Ausbau des Ladenetzes ist eine Infrastrukturmaß-
nahme
und geht daher in Richtung
Vorsorge für den Bürger
. Es
sollte also eine
Aufgabe der öffentlichen Stellen
sein, die man
nicht alleine dem Autobauer, Betreiber oder dem Nutzer überlas-
sen kann. Ich finde, dass gerade die Schnellladesysteme noch
stärker vom Staat unterstützt werden sollten.
Karl Schmauder
Das Thema Ladeinfrastruktur ist aus meiner Sicht noch
einer der
großen Unsicherheitsfaktoren
. Ich sehe heute weder
einheitliche
Standards
, noch ein
tragfähiges Geschäftsmodell
für die Ladesta-
tionen. Aus Komfortsicht ist das
induktive Laden
unverzichtbar.
Dr. Nils Schmid
Im Bereich der Ladeinfrastruktur wurden schon
beträchtliche Er-
folge
erzielt. Dies gilt für Baden-Württemberg und Stuttgart sicher
besonders. Trotzdem gehören
Fragestellungen der Schnellladung
weiterhin zu den
Schwerpunkten unserer Forschungsförderung
im
Bereich Elektromobilität.
Prof. Dr. Thomas Weber
Der Aufbau einer standardisierten, öffentlichen Ladeinfrastruktur
ist und bleibt
eine der ganz großen Herausforderungen
. Heute man-
gelt es vielfach noch an Ladesäulen und
einfachen Abrechnungs-
modalitäten
. Und zweitens kommt es jetzt darauf an, dass mit dem
Combined Charging System (CCS) ein
verbindlicher Ladestandard
geschaffen und auch in Europa umgesetzt wird.
ELEKTROMOBILITÄT IN ZAHLEN
BMW i8:
2,1 l/100 km, 4,4 s von 0 auf 100 km/h
Aston Martin Vanquish:
14,4 l/100 km, 3,8 s von 0 auf 100 km/h
Jaguar F-Type:
9,1 l/100 km, 4,9 s von 0 auf 100 km/h
Elektromobilität:
Fahrfreude und Nachhaltigkeit
(Herstellerangaben, 2014)
80
1...,72,73,74,75,76,77,78,79,80,81 83,84,85,86,87,88,89,90,91,92,...116
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