STRUKTURSTUDIE - page 86

Kapitel 4
4.4 ELEKTROMOBILITÄT AUS SICHT DES ANWENDERS
4.4.1 NUTZUNGSHÜRDEN VON ELEKTROFAHRZEUGEN
AUS SICHT PRIVATER NUTZER
Die flächendeckende Verbreitung der Elektromobilität gilt in
Deutschland und anderen großen Automobilnationen als erklärtes
politisches Ziel. Ob der gewünschte Durchbruch in den kommen-
den Jahren jedoch gelingt, hängt in letzter Konsequenz von der
Kaufbereitschaft und Akzeptanz der Endkunden ab. So haben For-
schung und Entwicklung der Industrie, öffentliche Förderung und
der voranschreitende Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfra-
struktur letztlich das Ziel, bestehende Nutzungshürden abzubauen
und Vertrauen in die neue Technologie zu fördern. Im Folgenden
wird dargestellt, inwieweit dies bereits gelingt und welche Maß-
nahmen auf dem Weg zu einer weiteren „Elektrifizierung“ der mo-
bilen Bevölkerung künftig ergriffen werden könnten.
Nach wie vor sorgen vor allem die vergleichsweise hohen An-
schaffungskosten dafür, dass der Kauf eines Elektrofahrzeugs für
die meisten Nutzer keine ökonomisch sinnvolle Alternative dar-
stellt. Weiterhin sind die im Vergleich zum herkömmlichen Tanken
deutlich längeren Ladezeiten und die geringeren Reichweiten von
Elektrofahrzeugen ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Ungeach-
tet dessen, dass die täglichen Fahrprofile der meisten Autofahrer
den Kapazitäten heutiger Fahrzeugbatterien bereits entsprechen
(vgl. Abbildung 59), ist der psychologische Aspekt der „Reichwei-
tenangst“ ein nicht zu unterschätzender Faktor, der in der öffent-
lichen Wahrnehmung dazu führt, dass Elektrofahrzeuge noch im-
mer mit Einschränkungen assoziiert werden. Auch wenn bereits
erwiesen ist, dass sich Nutzer nach kurzer Zeit an den Umgang mit
der schwankenden Reichweite gewöhnen [Franke (2012)], konnte
im Rahmen einer Forschungsarbeit an der TU Chemnitz nachge-
wiesen werden, dass im Durchschnitt 20 bis 25 % der verfügbaren
Reichweite von den Fahrern als psychologische Sicherheitsreser-
ve angesehen und die heute verfügbaren Reichweitenressourcen
häufig gar nicht ausgeschöpft werden [Franke/Krems (2013)].
Demnach könnten speziell auf Reichweitenoptimierung ausgeleg-
te Assistenzsysteme und eine flächendeckende und diskriminie-
rungsfreie Ladeinfrastruktur eine substanzielle Akzeptanzhürde
abschwächen und Unsicherheit in Bezug auf Lademöglichkeiten
und Reichweiteneinschränkungen begegnen. Darüber hinaus
sind die mangelnden Langzeiterfahrungen und die technische Un-
sicherheit in Bezug auf die Lebensdauer der Batterietechnik ein
weiterer Grund, der zu einer noch immer abwartenden Haltung bei
Fahrzeugkäufern, Leasingfirmen und Fuhrparks führt [Fazel (2013)].
Die Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Begleitforschung im
Rahmen des Förderprogramms „Schaufenster Elektromobilität“
können jedoch erste Ansätze liefern, wie dieser Unsicherheit auf-
seiten der potenziellen Fahrzeugnutzer zu begegnen ist und wel-
che weiteren Maßnahmen für eine positive öffentliche Wahrneh-
mung von Elektrofahrzeugen ergriffen werden könnten. So konnte
beispielsweise in mehreren Studien nachgewiesen werden, dass
Elektrofahrzeuge signifikant positiver bewertet werden und das
Potenzial haben, Nutzer nachhaltig zu begeistern, wenn diese
Abbildung 59: Alltagstauglichkeit heutiger Reichweiten von Elektrofahrzeugen.
46 %
15 %
5 %
5 %
29 %
trifft überhaupt nicht zu
trifft überwiegend nicht zu
teils/teils
trifft überwiegend zu
trifft voll zu
Für meine alltägliche Nutzung ist die Reichweite des
Elektrofahrzeugs völlig ausreichend
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