STRUKTURSTUDIE - page 87

deren Eigenschaften in Praxistests und Fahrversuchen selbst
ausprobieren konnten (vgl. u.a. InnoZ (2012); Fazel (2013)). Darü-
ber hinaus scheinen die positiven Fahreigenschaften sogar das
Potenzial zu haben, die reichweitenbedingten Einschränkungen zu
einem gewissen Maß zu kompensieren [Canzler (2010)].
Demzufolge kann die Zielsetzung der Schaufensterförderung,
Elektromobilität für den Nutzer „erfahrbar“ zu machen und in Pilot-
projekten praktisch zu erproben, als folgerichtig bewertet werden.
Ebenso setzt die Integration von Elektrofahrzeugen in Carsharing-
Systeme und intermodale Verkehrskonzepte wie in den Projekten
BeMobility, Stuttgart Services oder der elektrischen car2go-Flotte
im Raum Stuttgart an einem sinnvollen Punkt an, wenn es darum
geht, einen möglichst großen Nutzerkreis auf unverbindliche Art
mit den neuen Antriebsarten in Kontakt zu bringen. So konnte
mehrfach nachgewiesen werden, dass Nutzer aufgrund der ein-
gangs erwähnten Einstiegshürden eine erheblich größere Be-
Abbildung 60: Nutzermeinung zur Integration von Elektrofahrzeugen
in Carsharing-Systeme.
23 %
21 %
10 %
8 %
38 %
trifft überhaupt nicht zu
trifft überwiegend nicht zu
teils/teils
trifft überwiegend zu
trifft voll zu
Beim Carsharing würde ich Elektrofahrzeuge bevorzugen.
reitschaft haben, Elektrofahrzeuge im Rahmen von Carsharing zu
nutzen, als sich langfristig per Fahrzeugkauf oder -leasing auf ein
Elektrofahrzeug festzulegen [Fazel (2013); Fraunhofer ISI (2012a);
Knie (2010)]. Somit ist das Ziel, Elektrofahrzeuge und elektromobile
Dienstleistungen zu Beginn der Markteinführung einem möglichst
großen Personenkreis zuzuführen, beispielsweise über Carsharing
wesentlich einfacher zu erreichen, als es durch die klassische
Nutzungsform des Kaufs möglich wäre. Gleichzeitig können über
die flexible und unkomplizierte Bereitstellung der Fahrzeuge die
positiven Fahreigenschaften und die Vermittlung von Fahrspaß
einem breiten Nutzerkreis vermittelt werden. Zumal auch unter
Personen, die bisher keine Erfahrungen mit Elektrofahrzeugen ge-
macht haben, ein hohes Interesse besteht, diese im Rahmen von
Kurzzeitmieten zu testen (vgl. Abbildung 60).
4.4.2 ERFAHRUNGEN AUS ANWENDUNGSPROJEKTEN
IN BADEN-WÜRTTEMBERG
Ein Anwendungsprojekt, welches den Ansatz aufgreift, dass po-
tenziellen Kunden Elektrofahrzeuge über flexible Mietmodelle zum
Probefahren zur Verfügung gestellt werden, ist das Schaufenster-
projekt „charge@work“. In diesem Projekt, in dem die Daimler AG,
die Universität Stuttgart und das Fraunhofer IAO gemeinsam die
Bedingungen für eine intelligente Ladeinfrastruktur am Arbeits-
platz erforschen, wird unter anderem die Akzeptanz von Elektro-
fahrzeugen beim Endnutzer untersucht. Mitarbeiter der Daimler
AG bekommen hierbei die Möglichkeit, für Zeiträume von einem
Wochenende bis zu einem Jahr Elektrofahrzeuge zu mieten und
die hierfür installierte Ladeinfrastruktur an mehreren Standorten
zu nutzen. Im weiteren Projektverlauf soll zusätzlich ein bedeuten-
der Anteil des internen Daimler-Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge
umgestellt werden. Interessierte Testnutzer, die sich entschieden,
für mindestens drei Monate ein Elektrofahrzeug zu nutzen, wurden
hierbei mit wiederholenden Befragungen begleitet, um Erkenntnis-
se darüber zu gewinnen, wie sich die Einstellung des Privatnutzers
gegenüber Elektrofahrzeugen mit zunehmender Nutzungsdauer
verändert. Unter anderem wurden die Erwartungen an verschie-
dene Eigenschaften von Elektrofahrzeugen mit den späteren
Praxiserfahrungen verglichen. Die Abbildungen 61 und 62 zeigen
die veränderte Bewertung der unterschiedlichen Fahrzeugeigen-
schaften.
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1...,77,78,79,80,81,82,83,84,85,86 88,89,90,91,92,93,94,95,96,97,...116
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