STRUKTURSTUDIE - page 92

Kapitel 5
Mit Beginn der geplanten Markthochlaufphase Anfang des Jahres
2015 stehen neben technischen Weiterentwicklungen vor allem
wirtschaftliche Rahmenbedingungen wie Anreizmechanismen,
Standardisierungen und gesetzliche Regulierung im Fokus der be-
teiligten Akteure. Deutschland und speziell Baden-Württemberg
haben gute Chancen, zu den Leitanbietern im Bereich der Elek-
tromobilität zu gehören. Dies zeigen gerade die innovativen For-
schungsprojekte im Land.
Kern der F&E-Anstrengungen wird aus Sicht der Industrie die Wei-
terentwicklung künftiger Speichertechnologien sein. Die Chancen,
im Markt der aktuellen Lithium-Ionen-Technologie nennenswerte
Markterfolge zu erzielen, werden eher gering eingeschätzt. Den-
noch hat gerade das Land Baden-Württemberg mit seiner breit
aufgestellten Forschungs- und Produktionslandschaft eine solide
Ausgangsposition für die Erforschung innovativer Alternativen.
Inwieweit die hiesigen Unternehmen in Zukunft jedoch wettbe-
werbsfähige Produktionskapazitäten für die Batterieherstellung
aufbauen können, ist derzeit noch offen.
Vertreter der Politik sehen ihre Aufgabe hierbei in der Vernetzung
der Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft, um eine Innovati-
onsführerschaft zu erreichen, die gleichzeitig eine hoheMarktnähe
aufweist. Auch aus Sicht der Anwender ist die Weiterentwicklung
der Batterien mit dem Ziel einer signifikanten Reichweitensteige-
rung ein wichtiger Aspekt, der die Attraktivität und die Alltagstaug-
lichkeit von Elektrofahrzeugen deutlich erhöhen würde.
Aus wirtschaftlicher Sicht müssen erfolgversprechende Nut-
zungskonzepte identifiziert und weiter ausgebaut werden. Er-
gebnisse der sozialwissenschaftlichen Begleitforschung in den
Schaufensterprogrammen weisen darauf hin, dass die Integration
von Elektrofahrzeugen in flexible Nutzungskonzepte wie Carsha-
ring, Leasing oder der Einsatz in betrieblichen Flotten zur Reduk-
tion der Nutzungshürden und Vorbehalte beim Endkunden beitra-
gen. So wurde seitens der Industrievertreter die nur schleppend
voranschreitende Integration von Elektrofahrzeugen in öffentliche
Flotten kritisiert, die bisher noch hinter den gesteckten Zielen
zurückbleibt. Wichtig ist hierbei der Abbau von Vorbehalten der
Fuhrparkbetreiber gegenüber organisatorischen und finanziellen
Mehraufwänden.
BESTEHENDE HERAUSFORDERUNGEN
AUS AKTEURSSICHT
Unklar bleibt weiterhin, zu welchen Teilen öffentliche Hand, Ener-
gieversorger und Fahrzeughersteller ihren Beitrag zu einer flä-
chendeckenden Ladeinfrastruktur leisten werden. Deren wichtige
Funktion für eine positive öffentliche Wahrnehmung wurde sowohl
von Experten der Industrie als auch des öffentlichen Sektors über-
einstimmend hervorgehoben.
Um die zuvor beschriebenen Hürden zu senken, bedarf es einer
Reihe organisatorischer und regulatorischer Weichenstellungen,
deren Umsetzung teilweise bereits begonnen hat. So sehen gera-
de Industrievertreter die bundesweite Einführung von Privilegien
für Fahrer von Elektrofahrzeugen als entscheidende Maßnahme.
Hierbei gilt es, das optimale Verhältnis zwischen Mehrwert für den
Nutzer und einer Wirkung auf Ebene des Gesamtsystems zu fin-
den. Der Widerstand einiger Kommunen gegen die Nutzung von
Busspuren oder die Schaffung kostenloser Stellplätze zeigt bereits
das Dilemma: Der Vorzug eines Verkehrsmittels hat immer auch
Auswirkungen auf die Situation anderer Verkehrsträger und muss
jeweils im Kontext des gesamten Verkehrssystems sorgsam ge-
prüft werden.
Neben der Forderung nach nicht-monetären Anreizen wurde
deutlich, dass auch das Thema der finanziellen Anschubhilfen in
Zukunft weiterhin diskutiert werden wird. So forderten Vertreter
der Automobilindustrie Sonderabschreibungen für Dienstwagen
und weitere Steuererleichterungen für Elektrofahrzeuge. Auch
direkte Kaufprämien sollten, da mittlerweile ein nennenswertes
Angebot an Fahrzeugen am Markt verfügbar sei, in Zukunft weiter-
hin vom Gesetzgeber geprüft werden. Der internationale Vergleich
zeigt den Zusammenhang von Förderung und Markthochlauf deut-
lich, weshalb eine Übertragung von Best Practices im Bereich der
Förderung auf Deutschland und Baden-Württemberg in Betracht
gezogen werden könnte.
Es lässt sich somit festhalten, dass Wirtschaft und Politik weiterhin
gemeinsam daran arbeiten müssen, die Elektromobilität auf dem
Weg zum Massenmarkt weiterzuentwickeln.
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