"Ohne Brennstoffzellen wird es nicht gehen!"

(v.l.n.r.) Franz Loogen, Andreas Schwarz MdL, Dr. Andre Baumann, Stefan Russ - Foto: (c) e-mobil BW / Jens Oswald Fotodesign

Das mit mehr als 80 Teilnehmern gut besuchte e-mobil BW Werkstattgespräch bot am Donnerstag in Nürtingen lebhafte Diskussionen, welche Hürden die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie auf ihrem Weg in den Markt derzeit noch bremsen. Kurzum: Wird die Brennstoffzelle auf der Straße Wirklichkeit oder bleibt sie eine Vision?

An Geschwindigkeit zulegen

„In Baden-Württemberg hat sich in den vergangenen Jahren viel in der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik bewegt“, sagte der Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium Dr. Andre Baumann. „Aber es muss auch klar gesagt werden, dass wir dringend an Geschwindigkeit zulegen müssen.“ „Elektromobilität leistet nur dann einen Beitrag zum Klimaschutz, wenn der Markthochlauf beherrscht und zügig umgesetzt wird“, ergänzte Franz Loogen, Geschäftsführer der e-mobil BW, der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie. „Die Kosten müssen durch industrialisierte Prozesse und verbesserte Verfahren sinken. Die Marktverfügbarkeit und Stückzahlen der Brennstoffzellenfahrzeuge und insbesondere die Zuverlässigkeit der Infrastruktur müssen weiter wachsen“, sprach e-mobil BW-Chef Loogen die Kernprobleme an.

Erfahrungen aus der Praxis

Erste Autos und Busse sind bereits in Kundenhand und weitere Modelle kommen in Kürze auf den Markt. Vor einem Jahr wurde im Autohaus Russ die Werkstatthalle, die unter anderem für die Mercedes-Benz Citaro Brennstoffzellen-Hybrid-Busse der Stuttgarter Straßenbahnen eingesetzt wird, während des ersten e-mobil BW Werkstattgesprächs eröffnet. Über die gemachten Erfahrungen im Aftersales-Alltag mit der Brennstoffzellentechnologie gab Stefan Russ, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses, einen kurzen Einblick.

Daimler habe bereits vor Jahren mit der Mercedes-Benz B-Klasse F-CELL gezeigt, dass diese problemlos eine Weltumrundung schaffen und sich auch in Kundenhand im Alltag beweisen. "„Die Marktreife des Brennstoffzellenantriebs steht außer Frage. Unsere neue Generation auf Basis des GLC steht bereits in den Startlöchern. Das neue Brennstoffzellensystem ist dabei so kompakt, dass es erstmals in konventionelle Motorräume passt und auch die Kosten konnten wir zum Beispiel durch die Reduktion des Platinanteils deutlich verringern. Das Potenzial der Technologie ist groß – nicht zuletzt für größere Fahrzeugsegmente und auch außerhalb des Automobils erklärte Dr. Jörg Wind von der Daimler AG, in seinem Impulsvortrag.

Diskussion mit Tiefgang

Aber sind die Fahrzeuge mit Brennstoffzellentechnologie jetzt endlich auch serienreif? Ist der Vertrieb von Verkauf über Leasing bis Versicherung und Servicevertrag vorbereitet? Wann sind die Kosten auf Marktniveau? Sind die Werkstätten weltweit in der Lage, den Service durchzuführen? Und funktionieren die Wasserstofftankstellen zuverlässig genug, dass man größere Fahrten unternehmen kann? Über diese und viele weitere spannende Fragen diskutierten die Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion unter dem Titel „Brennstoffzellenfahrzeuge beim Kunden – Mehr Frust als Lust im Alltag?“.

Mit Vertretern von Tankstellenherstellern und -betreibern (Stefan Dieterle, Geschäftsbereich Linde Gase, Linde AG; Alexander Thomas, Technisches Anlagenmanagement und Systemplanung Gas, Netze BW GmbH)¸ einem Automobilhersteller (Dr. Jörg Wind, Daimler AG) sowie Nutzern von Brennstoffzellen-PKW und -Bussen (Dr. David Wenger, Managing Director, Wenger Engineering GmbH, Dr. Michael Faltenbacher, Consulting Expert Transport und Logistics, thinkstep AG, Markus Wiedemann, Leiter Unternehmensbereich Kraftfahrzeugwesen, Stuttgarter Straßenbahnen AG) deckte die Runde das gesamte Meinungsspektrum ab und gab Raum für kontroverse Diskussionen.

„Ohne Brennstoffzelle wird es nicht gehen.“

Das Fazit: Sowohl die Fahrzeuge als auch die Tankstellen haben noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen, die auftretenden Herausforderungen könnten aber nach und nach gelöst werden. Durch gemeinsame Anstrengungen diverser Industrieunternehmen im Rahmen von Verbünden wie der CEP und H2Mobility werde das Henne-Ei-Problem angegangen, um Wasserstoff-Infrastruktur aufzubauen und Fahrzeuge anzubieten. Auch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg unterstützt finanziell diese Technologie im Hinblick auf deren Potential zur Emissionsvermeidung. Staatssekretär Dr. Baumann sagte dazu: "Ohne Brennstoffzellen wird es nicht gehen. In der Politik setzen wir die nötigen Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung, die Landesagentur e-mobil Baden-Württemberg und ihre Partner vernetzen das Knowhow und die Erfahrungen. Daraus entsteht ein Netzwerk, das in er Lage ist, die Herausforderungen für die breite Nutzung der Brennstoffzellentechnologie zu meistern.“ Aus der Vision kann somit Realität werden.

Bildunterschrift Presse-Foto #1:
(v.l.n.r.) Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie Baden-Württemberg e-mobil BW GmbH, Andreas Schwarz, MDL (Grüne); Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Klima, Umwelt und Energiewirtschaft; Stefan Russ, Geschäftsführer Russ Gruppe  - Foto: (c) e-mobil BW / Jens Oswald

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