Standortentwicklung
Führende Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung, Automobilwirtschaft, Politik und Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Verbände versammelten sich heute in Stuttgart zur neunten Jahresveranstaltung des Strategiedialogs Automobilwirtschaft Baden-Württemberg (SDA). Als Ehrengäste nahmen Bundeskanzler Friedrich Merz und EU-Vizepräsident Stéphane Séjourné am Top-Level-Meeting teil.
Am Mittwoch, den 26. November 2025, fand in Stuttgart die neunte Jahresveranstaltung des Strategiedialogs Automobilwirtschaft Baden-Württemberg (SDA) statt. Der SDA setzt sich dafür ein, den Standort Baden-Württemberg langfristig attraktiv zu halten – gerade auch im hart-umkämpften, globalen Wettbewerb mit Nordamerika und Asien. Er wurde 2017 initiiert und war auf acht Jahre angelegt. Die Teilnehmenden aus Landes-, Bundes- und EU-Politik, aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft blickten daher heute zurück auf acht intensive Jahre. Im Rahmen der Jahresveranstaltung wurde außerdem der neue Fortschrittsbericht vorgestellt. Mit der Teilnahme von Bundeskanzler Friedrich Merz und EU-Vizepräsident Stéphane Séjourné wurde die Relevanz des Automobilstandorts Baden-Württemberg für Europa nochmals deutlich unterstrichen.
„Der Strategiedialog Automobilwirtschaft BW macht mit dutzenden konkreten Projekten und Arbeitsgruppen zu Fahrzeug, Energietechnik und Mobilitätsdaten fit für kommende Herausforderungen. Viele Regionen Europas schauen mit Respekt und Anerkennung auf den SDA und die gelebte Kooperation von Forschung, Mittelstand, Großunternehmen und der Politik“, sagte Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur e-mobil BW anlässlich der SDA-Jahresveranstaltung in Stuttgart. „Der SDA hat gezeigt, dass die Baden-Württemberger die neuen Themen wie Fahrzeugsoftware, autonomes Fahren, Chiptechnologie und elektrischer Antriebstechnologie herausragend beherrschen. Auch für die nächste Landesregierung werden die etablierten Formate eine bedeutende Rolle spielen können“, so Loogen weiter.
Die derzeit herausfordernde Situation in der Automobilbranche mit Standortverlagerungen aus Baden-Württemberg auch ins europäische Ausland oder CO2-Flottengrenzwerte standen im Kern der Debatten und Austausche. Ministerpräsident Winfried Kretschmann begrüßte die Teilnehmenden des Top-Level-Meetings und sprach über Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Transformation der Automobilindustrie. „Damit wir bei der Elektromobilität den Wettlauf um Technologieführerschaft gewinnen, muss sich Europa neu aufstellen: Wir brauchen Wettbewerbsfähigkeit durch geringere Standortkosten, weniger Rohstoff-Abhängigkeit und Souveränität bei Chips, Software und Batterien“, so der Ministerpräsident.
Mit dem Ziel, die Zukunft der Schlüsselindustrie Automobil erfolgreich zu gestalten, hat die Landesregierung den Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg im Jahr 2017 ins Leben gerufen. Transparent und marktgerecht führt der SDA alle relevanten Akteure zusammen und bietet den Beteiligten ein neues Format der institutionalisierten Zusammenarbeit – mit ganzheitlichem Ansatz, branchenübergreifend. Koordiniert durch die Landesagentur e-mobil BW, im engen Schulterschluss von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Arbeitnehmerverbänden, Verbraucherorganisationen, Umweltverbänden und Zivilgesellschaft, entwickelt der SDA Innovationspotenziale und erarbeitet Maßnahmen und Konzepte für eine erfolgreiche Transformation.
„Die Zukunft der Automobilwirtschaft in Baden-Württemberg und in Deutschland hängt auch ganz entscheidend davon ab, ob wir es schaffen, die Digitalisierung unserer Mobilität voranzutreiben und ein innovationsfreundliches Umfeld für unsere Unternehmen zu schaffen. Dazu muss uns die Verknüpfung von bereitstehenden Daten und Künstlicher Intelligenz gelingen. Deswegen müssen wir Innovationshindernisse abbauen, komplizierte Regelungen vereinfachen und die Balance zwischen Datenschutz und Datennutzung neu ausbalancieren. So schaffen wir das notwendige Umfeld für Investitionen in digitale Technologien. In unserem Land wurde im 19. Jahrhundert das Automobil erfunden, hier wird derzeit das Auto-Automobil erfunden – das selbstfahrende Auto – und hier sollen auch im 21. Jahrhundert die besten Autos der Welt erfunden, konstruiert und gebaut werden.“
„Das Top-Level-Meeting des Strategiedialogs Automobilwirtschaft hat erneut die großen Herausforderungen für die Branche aufgezeigt. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit gemeinsamen Anstrengungen die Innovationsfähigkeit und Wertschöpfung in Baden-Württemberg sichern können“, betont Wissenschaftsministerin Petra Olschowski. „Der Strategiedialog hat in den vergangenen Jahren wichtige Impulse für die Zukunft der Automobilindustrie gesetzt. Unser Fokus liegt auf der Stärkung der Forschung und dem schnellen Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung, um so die Innovationskraft unseres Landes zu sichern. Der Innovationscampus Mobilität der Zukunft (ICM) ist ein zentraler Baustein, den wir fördern. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Forschung und Industrie können wir gemeinsam innovative Lösungen für die Zukunft der Mobilität entwickeln.“
„Die Transformation der Automobilwirtschaft ist kein Selbstzweck. Sie ist unser Schlüssel, um Klimaschutz, Wertschöpfung und Lebensqualität in Baden-Württemberg miteinander zu verbinden. Wir wollen vor allem beim Hochlauf der Elektromobilität schnell vorankommen. Das ist nur möglich, wenn wir den Ausbau unserer Stromnetze und einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur entschlossen vorantreiben – denn nachhaltige Mobilität braucht eine starke und verlässliche energetische Grundlage.“
„Die Automobilindustrie ist zentral für Baden-Württemberg, steht aber vor der härtesten Bewährungsprobe ihrer Geschichte. Während internationale Wettbewerber, allen voran China, Tempo machen, verheddert sich die EU in kleinteiligen Regulierungen. Statt weiteres Regelwerk sind eine klare handelspolitische Agenda, mehr wettbewerbliche Freiheit und echte Innovationsimpulse notwendig. Technologische Offenheit ist dabei zentral. Das bedeutet: Rücknahme des Verbrenner-Verbots und die gleichberechtigte Anerkennung von Hybridantrieben, Range Extendern sowie eFuels und Biokraftstoffen. Das würde der Industrie neuen Schwung geben – und damit auch Beschäftigung und Wertschöpfung im Land sichern.“
„Baden-Württemberg gehört zu den innovativsten Regionen Europas und zeigt, wie Industrie, Forschung und Politik gestalten können. Unser Land steht für starke Technologiebetriebe, offene Hochschulen und eine aktive Startup-Szene, die neue Lösungen für Mobilität und Energie vorantreiben. Diese Stärke braucht gleichwohl im globalen Wettbewerb eine europäische Strategie für einen zukunftsfähigen Industriestandort Europa. Denn nur gemeinsam sichern wir Zugang zu wichtigen Rohstoffen und entwickeln die Schlüsseltechnologien. Die EU ist dabei ein zentraler Partner, weil sie gemeinsame Regeln schafft und Investitionen in Zukunftsprojekte ermöglichen und bündeln kann. Europa muss endlich eine klare Strategie entwickeln, um bei Batterien, Chips, Rohstoffen und erneuerbaren Energien unabhängiger zu werden, denn nur so erhalten wir unsere wirtschaftliche Handlungsfähigkeit, um damit gerade in der Automobilindustrie Arbeitsplätze zu sichern. Dafür brauchen wir einen langen Atem und den Mut, Technologien zur Marktreife zu bringen. Baden-Württemberg ist bereit, diesen Weg aktiv mitzugestalten.“
"Die Elektromobilität ist und bleibt unser Hauptpfad in die Zukunft. Diesen Weg können wir aber nur dann erfolgreich beschreiten, wenn gleichzeitig auch Europas Wettbewerbsfähigkeit gesichert ist. Angesichts der industriellen und geopolitischen Herausforderungen brauchen wir mehr Flexibilität bei den CO2-Zielvorgaben und einen technologieoffenen, stärker marktbasierten Ansatz. Eine schnelle und pragmatische Umsetzung dieser Anpassungen ist entscheidend. Europa muss bessere Standortbedingungen schaffen, um im Wettbewerb mit den USA und China zu bestehen.“
„Im Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg haben wir zusammen viel erreicht. Porsche ist Klimaschutz wichtig. Wir stehen zur Elektromobilität. Wir benötigen aber einen Realitätscheck der regulatorischen Rahmenbedingungen. Europa braucht einen strategischen Masterplan zur Stärkung seiner industriellen Wettbewerbsfähigkeit. Gemeinsam wollen wir die Chancen für Baden-Württemberg, Deutschland und Europa nutzen.“
„Die europäische Nutzfahrzeugindustrie hat Milliarden in emissionsfreie Lkw und Busse investiert. Ein breites Angebot an batterieelektrischen Fahrzeugen ist bereits in Serie. Doch es fehlen die notwendigen Rahmenbedingungen zur CO2-Zielerreichung. Um das zu ändern muss - wie von der Politik längst angekündigt - die CO₂-Regulierung für schwere Nutzfahrzeuge jetzt dringend überarbeitet werden: Erstens müssen die CO₂-Ziele mit einer europaweiten CO₂-basierten Maut sowie dem Aufbau ausreichender Lade- und Wasserstoffinfrastruktur für Lkw und Busse verknüpft werden. Zweitens müssen die CO₂-Strafzahlungen normalisiert werden, die derzeit mehr als zehnmal so hoch sind wie für Pkw. Drittens sollten Hersteller Gutschriften erhalten können, wenn sie die CO₂-Ziele bis 2030 übertreffen. Brüssel, Berlin: Das Zeitfenster zum Handeln schließt sich rapide — jeder Monat Verzögerung gefährdet die Klimaziele und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche.“
„Die Lage unserer Industrie ist ernst. Angesichts des massiven Wettbewerbsdrucks durch internationale Player, Handelshemmnisse und eine schwache Konjunktur ist der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik wichtiger denn je. Wir brauchen jetzt konkrete Maßnahmen: Entscheidend ist insbesondere eine zügige Überarbeitung der CO2-Flottenregulierung mit einer technologieoffenen Marktperspektive für PHEVs, Range Extender und erneuerbare Kraftstoffe über 2035 hinaus. Nur so können wir europäische Wertschöpfung und Klimaschutz sinnvoll verbinden und unsere Zulieferindustrie langfristig sichern. Auch sollten wir Anforderungen für den lokalen Bezug von Komponenten in Europa definieren, um mit anderen Regionen auf Augenhöhe agieren zu können.“
„Die Herausforderungen für die Automobilindustrie sind enorm. Um zukunftsorientierte Wege für unsere Branche zu finden, braucht es eine enge Zusammenarbeit von Industrie und Politik sowie Formate wie den Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg. Nun ist es wichtig, dass wir vom Dialog weiter zu praktischen Entscheidungen kommen, die sich stärker als bisher an der Realität orientieren. Dazu zählt vor allem die Flexibilisierung der CO2-Regulierung seitens der EU. Wir wollen alle Wege zur Fahrzeug-Elektrifizierung beschreiten. Der Plug-in-Hybrid ist dabei ein ganz zentraler, weil er Kunden für die E-Mobilität gewinnt und Arbeitsplätze in den Werken sichert.“
„Europas Klimaziele hängen von Innovationen ab – Zulieferer sind die treibende Kraft hinter der grünen Transformation. Sie investieren in Forschung und Entwicklung, nachhaltige Lieferketten und Produktion. Viele davon in Baden-Württemberg. Viele davon sind kleine und mittlere Unternehmen. Damit diese Unternehmerinnen und Unternehmer auch in Zukunft erfolgreich sein und sichere Jobs bieten können, braucht es die Freiheit, mit allen Antriebstechnologien den CO2-Ausstoß effektiv zu reduzieren. Europa muss das entschiedene Handeln der Industrie mit politischen Maßnahmen, stabilen Rahmenbedingen und Anreizen begleiten, die Innovationen, Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherung von Arbeitsplätzen ermöglichen.“
„Tag für Tag geht in Baden-Württemberg ein Stück Zukunft verloren. Diese Entwicklung zu stoppen, umzukehren, ist, ohne zu übertreiben eine Schicksalsaufgabe, vor der wir aktuell stehen. Mit Blick auf die Politik brauchen unsere Standorte zwei Dinge: Eine rasche Umsetzung der Beschlüsse des Autogipfels, um die Nachfrage zu stützen. Sowie endgültige Klarheit über den Regulierungsrahmen auf EU-Ebene, um Investitionen danach ausrichten zu können. Eine deutsche Positionierung hierzu entlang des gemeinsamen Vorschlags von IG Metall und VDA muss in den nächsten Tagen erfolgen. Notwendig sind ferner Maßnahmen und Instrumente, die Zulieferer und Hersteller vor Wettbewerbsverzerrung durch massive Subventionen, Zölle und einen Unterbietungswettlaub bei Arbeitsstandards und Entgelten schützen.“