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Strategiedialog Automobilwirtschaft BW

Mobilität neu denken. Den Wandel aktiv gestalten. Dafür braucht es viele kluge Köpfe, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Automobilwirtschaft, öffentlicher Verkehr, Wissenschaft, Politik und die Zivilgesellschaft – sie alle sind gefordert. Der Strategiedialog Automobilwirtschaft (SDA BW) verbindet die Akteure, um die Herausforderung gemeinsam zu meistern und den Transformationsprozess erfolgreich zu gestalten.

Die Elektrifizierung des Antriebsstangs in Hybrid-, Brennstoffzellen- und batterieelektrischen Fahrzeugen, Digitalisierung, neue Fahrzeugkonzepte, autonomes Fahren und Sharing-Modelle stellen den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg vor große Herausforderungen. Dabei steht für das Automobilland Nr. 1 viel auf dem Spiel – die technologische Vorreiterrolle, die Wirtschaftskraft, Arbeitsplätze und der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen vor den Folgen des Klimawandels. Mit über 400 Milliarden Euro Umsatz gehört die Automobilindustrie ohne Zweifel zu den systemrelevanten Branchen. Baden-Württemberg ist mit Sitz von über 1.000 Zulieferern eines der größten Automobilcluster Deutschlands.

Mit dem Ziel, die Zukunft der Schlüsselindustrie Automobil erfolgreich zu gestalten, hat die Landesregierung den Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg auf den Weg gebracht.

Zielgerichtet und transparent führt der SDA alle relevanten Akteure zusammen und bietet den Beteiligten ein neues Format der institutionalisierten Zusammenarbeit – mit ganzheitlichem Ansatz, branchenübergreifend und professional gemanagt durch e-mobil BW.

Im engen Schulterschluss von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Arbeitnehmerverbänden, Verbraucherorganisationen, Umweltverbänden und Zivilgesellschaft entwickelt der SDA Innovationspotenziale und erarbeitet Maßnahmen und Konzepte für eine erfolgreiche Transformation.

e-mobil BW ist in diesem Prozess unabhängige Kompetenzstelle des SDA und bündelt alle notwendigen Aktivitäten im Strategiedialog. Wichtiges Anliegen ist ein transparenter Informationsaustausch und die schnelle Vernetzung der Akteure und Themenfelder. 

Die Themen sind strukturiert, Visionen entwickelt, Schwerpunkte identifiziert und zahlreiche Projekte festgelegt. Im Jahr 2017 gestartet ist die Projektphase I (2018 bis 2020) inzwischen in vollem Lauf: SDA-Partner bearbeiten gemeinsame Vorhaben – themenfeldübergreifende Projekte mit Leuchtturmcharakter. Ab 2020, nach einer Bilanzkonferenz, schließt sich die Projektphase II bis 2024 an. Eine Übersicht des Zeitplans finden Sie hier.

Themenfelder des Strategiedialogs Automobilwirtschaft BW

Themenfeld I - Forschung und Entwicklung, Produktion und Zulieferer

Energieeffiziente und datenvernetzte Fahrzeuge bestimmen das Produktportfolio der Zukunft. Herstellungs-, Entwicklungs- und Vertriebsprozesse werden kürzer, direkter und vernetzter. Das wirft die drängende Frage auf, wie sich Industrie und Forschung in Baden-Württemberg optimal auf diese Trends einstellen können, um davon zu profitieren. Welche Wertschöpfungs- und Arbeitsplatzpotenziale, die sich vor dem Hintergrund von Car- und Ride-Sharing sowie Big Data entwickeln, müssen strategisch erschlossen werden? In verschiedenen Arbeitsgruppen gehen die Mitglieder aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik des Themenfeldes I der zentralen Frage nach, wie die Systemkompetenz und die Innovationsstärke der Automobilwirtschaft am Standort Baden-Württemberg gestärkt werden können. Dabei bilden auch die Themen Fachkräfte und Qualifizierung einen wichtigen Schwerpunkt. Ziel ist es, unter anderem staatliche und innerbetriebliche Maßnahmen zu entwickeln, um heutige und zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die zu erwartenden Veränderungen gut vorzubereiten.

Themenfeld II - Vertrieb und Aftersales

Nicht nur das Fahrzeug selbst verändert sich durch neue Technologien und digitale Möglichkeiten erheblich, sondern auch die Vertriebsprozesse und das Aftersales-Geschäft. So wurden 2016 beispielsweise bereits 30 Prozent der Gebrauchtwagen über Online-Börsen vertrieben und nicht wie jahrelang üblich über den stationären Handel. Schon vor dem ersten Verkäuferkontakt informieren sich Neuwagenkunden auf der Homepage des Herstellers und konfigurieren ihr Wunschfahrzeug. Dies ist nur eine von vielen Entwicklungen, die in der Arbeitsgruppe Handel und Werkstätten des Themenfeldes II mit den relevanten Branchenvertretern diskutiert werden. Neben den zukünftigen Veränderungen im Vertrieb stehen auch im Bereich „Aftersales“ der Umgang mit alternativen Fahrzeugkonzepten in der Werkstatt genauso im Fokus wie die Digitalisierung weiterer Prozesse oder neue Technologien im Teileprozess, wie z. B. die additive Fertigung. Ziel ist es, auch im Rahmen neuer Geschäftsmodelle die strategisch wichtige Kundenschnittstelle zu behalten

Themenfeld III - Energie

Die Mobilität der Zukunft stellt neue Anforderungen an die Energieversorgung des Verkehrssektors, die sich grundlegend von der heutigen Tankstellenwelt unterscheiden wird. Technologieoffen wird im Themenfeld Energie untersucht, wie die Energie für künftige Mobilitätslösungen in erforderlichem Umfang an der richtigen Stelle zur Verfügung gestellt werden kann. Von Systemanalysen ausgehend und an Pilotprojekten erprobt, sollen Lösungen und konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt werden, die aufzeigen, wie Energie- und Verkehrswende Hand in Hand erfolgreich gestaltet werden können. Dabei werden neben batterieelektrischen Fahrzeugen und deren Einfluss auf die Verteilnetze auch die Wasserstoff- und die Brennstoffzellentechnologie sowie synthetische Kraftstoffe eine Rolle spielen. Voraussetzung für eine klimaverträgliche Mobilität und für das Erschließen der großen Potenziale der Sektorkopplung ist die zuverlässige, umweltverträgliche und wirtschaftliche Energiebereitstellung auf Basis erneuerbarer Energien. Zurzeit ist der Verkehrssektor noch zu über 94 Prozent von fossilen Energieträgern abhängig.

Themenfeld IV - Digitalisierung

Die rasant voranschreitende Digitalisierung fordert die Automobilwirtschaft in Baden-Württemberg. Es gilt, neue Lösungen schnellstmöglich umzusetzen und zur Marktreife zu bringen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Im Fokus stehen hierbei auch die Kommunen als Betreiber digitaler Infrastrukturen, von Mobilitätsangeboten und Verkehrssystemen. Sie stellen deshalb im Themenfeld einen Schwerpunkt im Zusammenspiel mit der Industrie dar. Hinzu kommen die Querschnittsthemen IT-Sicherheit und Datenschutz. Ein hohes Sicherheits- und Schutzniveau ist die Grundlage für Akzeptanz und Vertrauen in digitale Produkte und Dienstleistungen und damit die Basis für eine erfolgreiche Transformation.

Themenfeld V - Verkehrslösungen

Wie kann klimaverträgliche und nachhaltige Mobilität für morgen gestaltet werden? Die Transformation der Automobilwirtschaft findet nicht nur in Forschungsstätten, Werkhallen und Autohäusern statt. Das gesamte Verkehrssystem wird von diesem Veränderungsprozess erfasst. Dies bietet enorme Gestaltungschancen für nachhaltige und soziale Mobilitätslösungen. Da sich in Teilen der Bevölkerung auch das Mobilitätsverhalten verändert, ergeben sich neue Perspektiven für Baden-Württemberg als Land der Tüftler und Erfinder von Verkehrslösungen. Der Verkehrssektor ist mit einem Anteil von ca. 34 Prozent der größte CO2-Emittent in Baden-Württemberg. Mit dem Pariser Klimaschutzabkommen hat sich die Bundesrepublik Deutschland dazu verpflichtet, neue klimafreundliche Mobilitätslösungen zu schaffen. Dies gilt umso mehr, da der Straßenverkehr ein Hauptverursacher von Treibhausgasen ist und der durch ihn verursachte CO2-Ausstoß in Baden-Württemberg gravierend steigt, anstatt – wie als politisches Ziel fixiert – zu sinken. Der Umbau in Richtung eines Mobilitätssystems ohne fossile Brennstoffe ist somit eine zentrale Aufgabe der Transformation, die intensive Steuerung erfordert. Im Rahmen des SDA BW werden notwendige Beiträge der Automobilwirtschaft und erforderliche politische Rahmensetzungen mit dem Ziel einer nachhaltigen und intelligenten Mobilität erörtert.

Themenfeld VI - Forschungs- und Innovationsumfeld

Gute Ideen, Know-how, geeignete Innovationsprozesse und das richtige Umfeld sind die Basis für erfolgreiche Innovationen. Wissenschaft und Forschung sind wesentliche Keimzellen für transformative Prozesse. Sie schaffen mit wissenschaftlicher Aufarbeitung ein Problemverständnis, entwickeln Lösungsstrategien bzw. Technologien und bereiten zukünftige Fachkräfte auf den Struktur- und Technologiewandel im Mobilitätssystem und darüber hinaus vor. Das Themenfeld „Forschungs- und Innovationsumfeld“ beschäftigt sich damit, wie Baden-Württemberg adaptiv und agil die Chancen der Transformation bestmöglich nutzen kann. Dabei stellt sich die Frage, wie die bereits vorhandene Basis an Kompetenzen erweitert werden kann, um der zunehmenden Komplexität globaler Wertschöpfung gerecht zu werden. Ebenso wird es bei zukünftigen Innovationsprozessen notwendig sein, eine Vielzahl an Perspektiven zu integrieren. Das heißt, dass verstärkt neue Akteursgruppen in den Innovations- und Wertschöpfungsprozess einbezogen werden müssen. Vor allem braucht es Menschen mit unternehmerischem Mut, die mit Know-how und aus einem stimulierenden Umfeld heraus gute Lösungen auf den Weg bringen. Baden-Württemberg verfügt mit seinen führenden Universitäten, praxisorientierten Hochschulen und international agierenden Forschungseinrichtungen über eine breite Forschungs- und Innovationslandschaft. Ziel im SDA BW ist es, dieses starke Fundament optimal zu nutzen und für die kommenden Herausforderungen fit zu machen.

Querschnittsfeld - Gesellschaft und Mobilität

Meinungen, Werte und Bedürfnisse der breiten Öffentlichkeit sollen in den Dialog einfließen. Mobilität bedeutet für Bürgerinnen und Bürger deutlich mehr als nur eine technologische Lösung, um von A nach B zu kommen. Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Es ist eng verbunden mit Werten wie Freiheit, Unabhängigkeit und Wohlstand. Gleichzeitig führt die zunehmende Mobilität unserer Gesellschaft auch zu Umwelt-, Klima- und Gesundheitsproblemen. Deshalb ist es wichtig, dieses Spannungsfeld auszuleuchten. Dies greift der SDA BW unter dem Begriff Gesellschaft und Mobilität auf. Dabei werden einzelne als auch in gesellschaftliche Gruppen organisierte Bürgerinnen und Bürger in den SDA BW eingebunden. So können Meinungen, Werte und Bedürfnisse sowie Lösungsvorschläge aus der breiten Öffentlichkeit aufgegriffen werden. Die Herausforderungen hin zu einer veränderten, nachhaltigen und öffentlichen Mobilität werden damit gemeinsam mit den Menschen gestaltet.

Das Querschnittsfeld Gesellschaft und Mobilität stellt eine Klammer für alle Themenfelder dar und integriert gesellschaftliche Themen wie den Gesundheits- und Umweltschutz in den Dialog. Im Fokus stehen hier die Perspektive und der Nutzen der Bürgerinnen und Bürger in ihren unterschiedlichen Rollen. Eine AG e-Recht befasst sich seit Frühjahr 2018 mit allen rechtlichen Fragestellungen rund um die Themen des SDA. Jedem Themenfeld stehen ein Mitglied der Landesregierung sowie ein Co-Lead aus der Wirtschaft, Wissenschaft oder einer Nicht-Regierungsorganisation vor. Regelmäßig treffen sich die Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung, der Unternehmensleitungen, der Wissenschaft, der Arbeitnehmervertretungen und der Zivilgesellschaft, um die bisherigen Fortschritte und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Die Arbeitsstruktur des Strategiedialogs Automobilwirtschaft BW.