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Electric mobility

Mobilität der Zukunft an Klimaschutz ausrichten

v.l.n.r. Franz Loogen (Geschäftsführer e-mobil BW), Roman Zitzelsberger (Bezirksleiter IG Metall Baden-Württemberg), Dr. Wolfgang Fischer (Bereichsleiter e-mobil BW), Prof. Dr.-Ing. Oliver Riedel (Institutsleiter Fraunhofer IAO), Dr. Martin Schwarz-Kocher (Geschäftsführer IMU Institut). Foto: (c) e-mobil BW / KD Busch

Zum Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „e-mobil BW connects“ stieß das Thema „Transformation in der Automobilwirtschaft – Welche Weichen muss der Standort Baden-Württemberg jetzt stellen?“ auf großes Interesse. Rund 100 Teilnehmer waren am 9. Juli ins Stuttgarter Wizemann-Areal gekommen, um mit Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft über die Auswirkungen von Elektromobilität und Digitalisierung auf den Automobilstandort Baden-Württemberg zu diskutieren.

Studien analysieren große Umbrüche für die Beschäftigten in der Automobilwirtschaft

Basis für die engagierte Diskussion bildeten Impulsvorträge zu zwei aktuellen Studien. Prof Dr.-Ing Oliver Riedel, Institutsleiter des Fraunhofer IAO, stellte die Ergebnisse der Studie ELAB 2.0 – Wirkungen der Fahrzeugelektrifizierung auf die Beschäftigung am Standort Deutschland vor, während Sylvia Stieler von der IMU Institut GmbH mit den aktuellen Ergebnissen der Strukturstudie BWe mobil 2019 – Transformation durch Elektromobilität und Perspektiven der Digitalisierung eine tiefgehende Analyse des baden-württembergischen Automobilclusters präsentierte. Beide Studien sehen große Umbrüche für die Beschäftigten in der Automobilwirtschaft und zeigen unabhängig voneinander auf, dass nicht nur der viel diskutierte Faktor Elektromobilität, sondern vor allem auch Produktivitätssteigerungen durch Digitalisierung erhebliche Einflüsse haben werden. Hier liegen große Herausforderungen, aber auch Chancen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion gingen Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, Prof. Dr.-Ing. Oliver Riedel, Institutsleiter des Fraunhofer IAO, Dr. Martin Schwarz-Kocher, Geschäftsführer der IMU Institut GmbH und Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive e-mobil BW GmbH der Frage nach, welche Weichen jetzt gestellt werden müssen, um die Zukunftsfähigkeit des Standortes zu fördern und Beschäftigung zu sichern.

Statements der Diskutanten

„Die Mobilität der Zukunft muss klar auf den Klimaschutz ausgerichtet sein. Für die Automobilindustrie in Baden-Württemberg bedeutet das einen grundsätzlichen Umbau. Dabei gilt: Die Arbeitsplätze von heute müssen auch morgen sicher sein. Für alle bestehenden Standorte wollen wir mit den Unternehmen Strategien entwickeln und Vereinbarungen abschließen, die Investitionen in Zukunftstechnologien und Zusagen für gute Arbeit festschreiben. Nur so gelingt der Wandel der Industrie fair und sozial. Die Rote Karte zeigen wir all denjenigen, denen als Antwort auf den Wandel nur Stellenstreichungen, Standortschließungen und Verlagerungen einfallen.“ Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg.

„Der aktuelle Wandel verdeutlicht, dass sich die Systemgrenzen im Automotive-Bereich grundlegend verschieben. Zukünftige Innovationen werden sich weniger in einzelnen Technologien oder Produkten, sondern vielmehr durch Systeme und Netzwerke von (unterschiedlichen) vernetzten Technologiebausteinen, Produkten und integrierten Dienstleistungen manifestieren. Die Akteure am Standort Baden-Württemberg müssen daher viel stärker gemeinsam an Systeminnovationen und damit verbundenen neuen Formen verteilter und teilweise digitaler Wertschöpfung arbeiten. Als exemplarische Zukunftsfelder können neue Fahrzeugkonzepte und damit verbundene Mobilitätsdienstleistungen oder der Aufbau eines durchgängigen Wertschöpfungssystems im Bereich der Wasserstofftechnologie – von der Herstellung des Mediums, über die Entwicklung und Produktion der Komponenten (mobil und stationär) bis hin zur Integration in das Energiesystem – genannt werden.“ Prof. Dr.-Ing. Oliver Riedel, Institutsleiter, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO.

„Der Wandel zur Elektromobilität bietet die Chance, dass die Automobilregion Baden-Württemberg ihre Wettbewerbsstärke erhält und ausbaut. Dazu ist es aber notwendig, dass sich die Wertschöpfungs- und Beschäftigtenstrukturen konsequent und zügig auf die neuen Anforderungen einstellen. Kern des bisherigen Erfolgsmodells der Branche ist das in Baden-Württemberg besonders ausgeprägte vollständige Automobilcluster. Mit ihren engen Verknüpfungen zwischen Endherstellern, Zulieferern, Maschinenbau und Forschungseinrichtungen hat sich hier ein spezifisches Innovationsmuster aus der engen Kopplung von Produktionswissen und Entwicklungs-Excellence entwickelt. Für einen erfolgreichen Transformationsprozess des Automobilclusters benötigt es deshalb:

  1. Die Weiterentwicklung der Branchen F&E auf die neuen Aufgaben.
  2. Die Transformation der bisher stark auf den Verbrennungsmotor aus-gerichteten Produktionswerke auf die neuen E-Komponenten und
  3. eine industrie- und arbeitspolitisch abgesicherte betriebliche Transformationsstrategie, die die Beschäftigten auf die neuen Aufgaben vorbereitet.“ Dr. Martin Schwarz-Kocher, Geschäftsführer IMU Institut GmbH.

„Die große Herausforderung für die Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Baden-Württemberg liegt nicht allein in der Einführung neuer Technologien, Produkte und Services, sondern in der zeitlichen Parallelität der Veränderungsanforderungen sowie der Vielschichtigkeit und Dynamik des Transformationsprozesses. Daher ist ein iterativer Ansatz wichtig, um schnell agieren zu können. Es muss uns gelingen, unsere Innovationen rund um das elektrische und vernetzte Fahren in großer Stückzahl in den Markt zu bringen, damit daraus Wirtschaftskraft und Beschäftigung entsteht.“ Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive Baden-Württemberg e-mobil BW GmbH.

Pressefoto Bildsignatur: v.l.n.r. Franz Loogen (Geschäftsführer e-mobil BW), Roman Zitzelsberger (Bezirksleiter IG Metall Baden-Württemberg), Dr. Wolfgang Fischer (Bereichsleiter e-mobil BW), Prof. Dr.-Ing. Oliver Riedel (Institutsleiter Fraunhofer IAO), Dr. Martin Schwarz-Kocher (Geschäftsführer IMU Institut). Bildquelle: (c) e-mobil BW / KD Busch.